Aus Forschung
& Wissenschaft

Fluorid

 

Karies

 

Fluorid schützt vor Karies, das ist mittlerweile unter Wissenschaftlern unumstritten - auch wenn der genaue Wirkungsmechanismus noch nicht endgültig geklärt ist. Eine ganze Reihe von Studien weist diese protektive Wirkung weltweit nach. Sie kommt nicht nur durch fluoridhaltige Zahncremes zustande, sondern auch durch die systemische Aufnahme von Fluorid aus angereicherten Lebensmitteln oder mit dem Trinkwasser.

 

Kim MJ, Kim HN, Jun EJ, Ha JE, Han DH, Kim JB
Association between estimated fluoride intake and dental caries prevalence among 5-year-old children in Korea
BMC Oral Health. 2015 Dec 30;15(1):169
 

 

In dieser koreanischen Observationsstudie wird der Zusammenhang zwischen der Fluoridaufnahme mit der Nahrung und dem Auftreten von Karies bei fünfjährigen Kindern untersucht. Dazu gaben die Eltern von 167 Jungen und 147 Mädchen Auskunft über die Ernährungsgewohnheiten ihrer Kinder; Zahnärtze zeichneten das Kariesvorkommen mit Hilfe des dfs-Index´ auf.
Die durchschnittliche tägliche Fluoridaufnahme lag bei 0,35 mg. Insgesamt war bei Kindern mit niedrigerer Fluoridaufnahme war der dfs-Index größer. Die lineare Regressionsanalyse ergab eine signifikante Abnahme des dfs-Index mit zunehmender Fluoridaufnahme sowohl bei den Backenzähnen als auch bei den Frontzähnen.
Laut den Autoren befürwortet dieser umgekehrte Zusammenhang zwischen der Fluoridaufnahme und dem Auftreten von Karies Präventionsprogramme, die z.B. Wasserfluoridierung oder Fluoridsupplementation beinhalten.

 

 

Jolaoso IA, Kumar J, Moss ME

Does fluoride in drinking water delay tooth eruption?
J Public Health Dent. 2014 Aug

 

In dieser Querschnittsstudie wurde der Frage nachgegangen, welchen Einfluss die Trinkwasserfluoridierung auf die Eruption der bleibenden Zähne sowie auf die Karieshäufigkeit hat.
Hierzu wurden Daten von 13 348 Kindern (Alter 5 - 17 J.) aus dem nationalen US-amerikanischen Register zur Zahngesundheit (1986 - 1987) analysiert. Zusätzlich wurden Trinkwasseruntersuchungen an den jeweiligen Schulen der teilnehmenden Kinder vorgenommen. Personenbezogene Daten wurden über Eltern-Fragebögen erhoben, der Zahnstatus wurde von Zahnärzten bestimmt.
Kinder, die Fluorid-Supplemente bekommen hatten, wurden ausgeschlossen.
Ebenfalls ausgeschossen wurden Daten von Kindern, die in Gemeinden mit einem Fluorid-Gehalt von >1,2 mg/l leben, da die Anzahl dieser Kinder zu gering für einen statistische Auswertung war.
Die Trinkwasseruntersuchungen erbrachten 3 Versorgungsgruppen: 1. unterversorgt (< 0,3 mg Fluorid/l); 2. suboptimal (0,3 - < 0,7 mg Fluorid /l); 3. optimal (0,7 - 1,2 mg Fluorid/l).
Beim Vergleich der Versorgungsgruppe 1 mit der Versorgungsgruppe 3 war der Mittelwert der ausgetretenen Backenzähne in der Versorgungsgruppe 3 signifikant höher (p < 0,01).
Die Karieshäufigkeit an Oberflächen der ersten bleibenden Backenzähne war 16 % geringer in der Versorgungsgruppe 3 verglichen mit der Versorgungsgruppe 1 (p < 0,0001).
Die Autoren folgern, dass es durch die Trinkwasserfluoridierung zu keiner zeitlichen Verzögerung des Austrittes der bleibenden Zähne kam, wohl aber zu einer effektiven Senkung der Karieshäufigkeit.

 

 

Saliba NA, Moimaz SA, Casotti CA, Pagliari AV.
Dental caries of lifetime residents in Baixo Guandu, Brazil, fluoridated since 1953--a brief communication.
J Public Health Dent. 2008 Spring;68(2):119-21.

 

Diese Querschnittstudie aus Brasilien untersuchte die Häufigkeit von Zahnkaries in der ersten brasilianischen Stadt, in der eine allgemeine Fluoridierung des Trinkwassers eingeführt wurde. Die erhobenen Daten wurden verglichen mit den Befunden aus Gebieten ohne Fluoridierung und mit Daten, die vor der Fluoridierung erhoben worden waren.
Alle Einwohner im Alter von 5, 12, 15 bis 19 und 35 bis 44 Jahren (n = 656) wurden klinisch untersucht. Der Kariesindex DMFT - bestehend aus der Zahl erkrankter Zähne (diseased, d), fehlender Zähne (missing, m) und Zähnen mit Füllungen (filling, f) - war sowohl für Milchzähne als auch für bleibende Zähne im Mittel niedriger für Personen im Einzugsgebiet der fluoridierten Trinkwasserversorgung als für Personen außerhalb dieses Gebiets ohne Fluoridzusatz zum Wasser. Der DMFT-Index bei 12-Jährigen hatte von 1953 (Beginn der Fluoridierung) bis 2005 von 8,61 auf 1,55 abgenommen.
Der Zusatz von Fluorid zur öffentlichen Trinkwasserversorgung ist demnach nach Ansicht der Autoren ein wichtiges Hilfsmittel bei der Verbesserung der Zahngesundheit.


Pessan JP, Silva SM, Lauris JR, Sampaio FC, Whitford GM, Buzalaf MA.
Fluoride uptake by plaque from water and from dentifrice.
J Dent Res. 2008 May;87(5):461-5.

 

Diese Studie untersucht die Aufnahme von Fluorid aus Trinkwasser und fluoridierten Zahncremes in Zahnplaques und Speichel. 56 Kinder im Alter von 8  bis 10 Jahren, die in Gemeinden mit unterschiedlichen Fluoridkonzentrationen des Trinkwassers lebten (0,04, 0,85 und 3,5 mg/l), wurden in die Studie aufgenommen und erhielten randomisiert entweder eine fluoridierte Zahncreme oder eine Placebo-Zahncreme ohne Fluoridzusatz. Nach 1 Woche wurden 1 und 12 Stunden nach letzter Verwendung der Zahncreme Proben aus den Plaques sowie Speichelproben entnommen.
Die Ergebnisse zeigten im Vergleich zur Placebo-Zahncreme eine deutlich höhere Fluoridkonzentration in den Plaques nach Verwendung der fluoridierten Zahncreme sowohl 1 Stunde als auch 12 Stunden nach dem letzten Zähneputzen, mit Ausnahme der 12-Stunden-Werte in Gemeinden mit einem Fluoridgehalt im Trinkwasser von 3,5 mg/l. Die mittleren Fluoridkonzentrationen im Speichel waren unter Verwendung der Placebo-Zahncreme direkt abhängig von der Fluoridkonzentration im Trinkwasser und signifikant höher nach fluoridhaltiger Zahncreme als nach Placebo.
Diese Befunde zeigen nach Ansicht der Autoren, dass die Verwendung fluoridhaltiger Zahncreme die Fluoridkonzentration in Plaques über bis zu 12 Stunden erhöht, wenn die Trinkwasserfluoridierung Werte von 1,0 mg/l nicht überschreitet.

 

Kumar JV, Moss ME.
Fluorides in dental public health programs.
Dent Clin North Am. 2008 Apr;52(2):387-401, vii. Review.

 

Mit der Einführung von fluoridierten Zahncremes, Trinkwasserfluoridierung und weiteren prophylaktischen Fluoridgaben hat die Häufigkeit von Zahnkaries in den USA deutlich (um bis zu 60 %) abgenommen. Diese Übersichtsarbeit bespricht die Verwendung von Fluoriden in öffentlichen Programmen zur Verbesserung der Zahngesundheit, diskutiert einige der Möglichkeiten, mit denen Fluoride in Gesundheitsprogrammen genutzt werden können und spricht auch die Kostenfrage und die politische Umsetzbarkeit an.

 

Yeung CA.
A systematic review of the efficacy and safety of fluoridation.
Evid Based Dent. 2008;9(2):39-43.

 

Diese systematische Übersichtsarbeit untersucht die wissenschaftliche Literatur in Bezug auf die gesundheitlichen Auswirkungen von Fluorid und Fluoridierung. Besprochen werden sowohl die Vorteile bei der Zahnkariesverminderung als auch die damit einhergehenden möglichen gesundheitlichen Risiken, die systemische Fluoridzufuhr mittels Fluoridierung von Trinkwasser, Milch und Salz sowie die lokale Anwendung in Form von fluoridierten Zahncremes, Zahngel und Mundwässern.
Eine Literaturrecherche bei Medline, Embase und der Cochrane-Datenbank fand 77 Arbeiten, die in die Beurteilung eingeschlossen wurden.
Die Ergebnisse zeigen, dass eine Fluoridierung des Trinkwassers die wirksamste Maßnahme darstellt, mit der die umfassendste Exposition erreicht werden kann. Der Autor empfiehlt dementsprechend auch eine allgemeine Trinkwasserfluoridierung mit einem Zielbereich von 0,6-1,1 mg Fluorid pro Liter Trinkwasser. Bei diesen Konzentrationen überwiegen nach seiner Meinung die positiven Wirkungen wie Verminderung von Zahnkaries die negativen Effekte wie dentale oder ossäre Fluorose.

 

Peres MA, Antunes JL, Peres KG.
Is water fluoridation effective in reducing inequalities in dental caries distribution in developing countries? Recent findings from Brazil.
Soz Praventivmed. 2006;51(5):302-10.

 

Diese Querschnittsstudie untersuchte, inwieweit sozioökonomische Unterschiede, die die Zahngesundheit beeinträchtigen, durch eine allgemeine Trinkwasserfluoridierung ausgeglichen werden können, und verglich die Häufigkeit von Zahnkaries nach sozioökonomischer Stratifizierung in Gebieten mit und ohne Trinkwasserfluoridierung.
Zwischen 2002 und 2003 wurden in 249 brasilianischen Städten 34.550 Kinder im Alter von 12 Jahren untersucht und Daten zur Häufigkeit von Zahnkaries erhoben. Ebenso wurden sozioökonomische Indizes, die Gewährleistung einer öffentlichen Trinkwasserversorgung und Fluoridierung des Wassers dokumentiert.
Die Ergebnisse zeigen, dass die ökonomisch besser gestellten Städte eine bessere Abdeckung der Trinkwasserversorgung hatten und eher Fluorid zufügten. Fluoridiertes Trinkwasser ging mit einer insgesamt verbesserten Zahngesundheit und geringer Häufigkeit von Zahnkaries bei den Kindern einher. Entsprechend fanden sich in wirtschaftlich schlechter gestellten Städten seltener eine Wasserfluoridierung und damit eine schlechtere Zahngesundheit der Probanden.
Die Autoren folgern, dass der Zugang zu fluoridiertem Trinkwasser erleichtert werden muss, um die Folgen sozioökonomischer Ungleichheiten auf die Zahngesundheit auszugleichen und die Häufigkeit von Zahnkaries zu reduzieren.

 

[No authors listed]

Position of the American Dietetic Association: the impact of fluoride on health.
J Am Diet Assoc. 2000 Oct;100(10):1208-13. Review.

Palmer C, Wolfe SH; American Dietetic Association.
Position of the American Dietetic Association: the impact of fluoride on health.
J Am Diet Assoc. 2005 Oct;105(10):1620-8.

 

In beiden Stellungnahmen betont die American Dietetic Association (ADA) die Bedeutung von Fluorid für alle mineralisierten Gewebe des Körpers. Eine ausreichende Fluoridzufuhr wirkt sich über das gesamte Leben positiv auf Knochen- und Zahngesundheit aus. Fluorid ist ein wichtiges Element für die Mineralisierung von Knochen und Zähnen. Die lokale und systemische Verwendung von Fluorid hat über die Jahrzehnte zu einer deutlichen Verminderung von Zahnkaries und den damit verbundenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen geführt.
Die Centers for Disease Control and Prevention haben die allgemeine Fluoridierung des Trinkwassers als eine der zehn wichtigsten Maßnahmen der öffentlichen Gesundheitspflege des 20. Jahrhunderts gelistet. Nahezu 100 nationale und internationale Organisationen haben den Nutzen der Trinkwasserfluoridierung zur Verhinderung von Zahnkaries anerkannt. Jedoch hatte bis zum Jahr 2000 mehr als ein Drittel der US-amerikanischen Bevölkerung (über 100 Millionen Menschen) weiterhin keinen Zugang zu fluoridiertem Wasser.
Fluorid spielt darüber hinaus auch eine Rolle bei der Knochengesundheit. Allerdings wird die Gabe hoher Fluoriddosen (bis 20 mg pro Tag) zur Prävention der Osteoporose derzeit als experimentell betrachtet und weiter untersucht.
Ernährungsberater sollten nach Empfehlungen der ADA routinemäßig auf die Verwendung systemischer und lokaler Fluoride hinweisen und diese fördern, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig müssen sie klarstellen, dass die Verwendung hoher Fluoriddosen nur innerhalb klinischer Studien erfolgen sollte.
Insgesamt befürwortet die ADA erneut geeignete Maßnahmen zur systemischen und lokalen Verwendung von Fluorid, einschließlich der Trinkwasserfluoridierung.

 

Bian JY, Wang WH, Wang WJ, Rong WS, Lo EC.
Effect of fluoridated milk on caries in primary teeth: 21-month results.
Community Dent Oral Epidemiol. 2003 Aug;31(4):241-5.

 

Diese Beobachtungsstudie aus Peking untersuchte die Verwendung fluoridierter Milch zur Verhinderung von Karies im Kleinkindesalter.
Kinder in drei ausgewählten Kindergärten nahmen an der Studie teil (mittleres Alter 54 Monate; n = 534, auswertbar 417). Sie erhielten 200 ml fluoridierte Milch täglich (2,5 mg Fluorid pro Liter). Gematchte Kinder aus anderen Kindergärten ohne systemische Fluoridzufuhr dienten als Kontrollgruppe (n = 305, auswertbar 247).
Die Ergebnisse zeigten nach 21 Monaten eine Zunahme des Zahnkaries-Index um 0,4 dmft in der Testgruppe und um 1,3 dmft in der Kontrollgruppe (p < 0,001). Nach Meinung der Autoren ist also die Zufuhr fluoridierter Milch im Kindergarten eine wirksame Maßnahme zur Verhinderung von Karies, auch der Milchzähne.

 

Petersson LG, Arvidsson I, Lynch E, Engström K, Twetman S.
Fluoride concentrations in saliva and dental plaque in young children after intake of fluoridated milk.
Caries Res. 2002 Jan-Feb;36(1):40-3.

 

Diese randomisierte Crossover-Studie untersuchte die Konzentrationen von Fluorid im Speichel und in Zahnplaques nach Zufuhr fluoridierter Milch. 18 gesunde Kinder im Alter von 6 bis 8 Jahren erhielten eine von vier verschiedenen Behandlungen einmal pro Tag über jeweils 3 Tage: (a) 200 ml fluoridfreies Leitungswasser; (b) 200 ml Leitungswasser mit 1,0 mg Fluorid; (c) 200 ml normale Milch und (d) 200 ml Milch mit 1,0 mg Fluorid. Alle Kinder verwendeten vor und während der Studie fluoridfreie Zahncreme und mieden fluoridreiche Lebensmittel und Getränke. Die Fluoridkonzentration im Speichel wurde zu Studienbeginn sowie 15 und 120 Minuten nach Zufuhr der Getränke bestimmt, in den Plaques zu Studienbeginn und 2 Stunden nach den Getränken. Die mittleren Ausgangswerte reichten von 0,01 bis 0.02 mg Fluorid pro Liter Speichel und von 10,4 bis 14,2 mg Fluorid pro Liter Zahnplaque.
Die Ergebnisse zeigten eine statistisch signifikanter Zunahme der Fluoridkonzentration im Speichel 15 Minuten nach dem Trinken fluoridierter Milch bzw. fluoriderten Wassers (0,052 bzw. 0,058 mg Fluorid pro Liter, jeweils p < 0,05). Nach 2 Stunden lagen die Konzentrationen wieder beim Ausgangswert. In den Plaques fand sich eine statistisch signifikante Zunahme der Fluoridkonzentration auf das Doppelte 2 Stunden nach Trinken der fluoridierten Milch und des fluoridierten Wassers (jeweils p < 0,01).
Diese Ergebnisse weisen darauf hin, so die Autoren, dass fluoriderte Milch einen wichtigen Beitrag zur Fluoridversorgung leisten kann, mit signifikant erhöhten Fluoridkonzentrationen in Zahnplaques auch noch 2 Stunden nach der Zufuhr.

 

Featherstone JD.
The science and practice of caries prevention.
J Am Dent Assoc. 2000 Jul;131(7):887-99. Review.

 

Diese Arbeit gibt eine Überblick zu Ätiologie, Pathogenese und Prävention von Zahnkaries: Karies ist eine bakterielle Erkrankung, bei der einfach Kohlenhydrate aus der Ernährung durch Bakterien der Mundflora zu Säuren abgebaut werden, die dann ihrerseits den Zahnschmelz angreifen, mit daraus resultierender Demineralisation des Zahns.
Schutzfaktoren gegen Karies umfassen neben Calcium, Phosphat und Proteinen im Speichel und dem Speichelfluss selbst den Fluoridgehalt des Speichels und seine antibakteriellen Komponenten. Eine Kariesprogression bzw. -rückbildung wird durch das Gleichgewicht von schützenden und fördernden Faktoren bestimmt.
Fluorid als Hauptakteur bei der Bekämpfung von Karies wirkt, indem es die Demineralisation vermindert, hemmt, die Remineralisation verstärkt und die Aktivität bakterieller Enzyme hemmt. Praktisch bedeutsam bei der Kariesbehandlung und -prävention ist das Überwiegen der präventiven Faktoren gegenüber den pathologischen, was beispielsweise über eine regelmäßige Fluoridzufuhr geschehen kann.


Hinman AR, Sterritt GR, Reeves TG.
The US experience with fluoridation.
Community Dent Health. 1996 Sep;13 Suppl 2:5-9. Review.

 

Diese Arbeit liefert einen Überblick über den Stand der Trinkwasserfluoriderung in den USA (bezogen auf 1996), Ausmaß und Wirkung der Fluoridierung und die daraus gezogenen Lehren.
Die Fluoriderung der öffentlichen Trinkwasserversorgung zur Verhinderung von Zahnkaries begann in den USA im Jahr 1945. Zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung nutzen etwa 62 % der US-Bevölkerung, die Zugang zu fluoridiertem Wasser haben, dieses tatsächlich, eine Zahl von 75 % wird bis zum Jahr 2000 angestrebt. Dazu sind Information und Aufklärung unabdingbar, da es weiterhin eine starke Opposition gegenüber der Fluoridierung gibt. Die Lehren der vergangenen 50 Jahre zeigen aber, dass die Fluoridierung des Trinkwassers die Inzidenz und Prävalenz von Zahnkaries massiv vermindert und die Vorteile der Fluoriderung bei weitem die Risiken übersteigen.

 

Spencer AJ, Slade GD, Davies M.
Water fluoridation in Australia.
Community Dent Health. 1996 Sep;13 Suppl 2:27-37. Review.

 

Diese Arbeit bietet einen Überblick über den Stand und die Hintergründe der Trinkwasserfluoridierung in Australien (von 1996) mit Beurteilung des zahnkariespräventiven Effekts sowie der Risiken einer systemischen Fluorose. Nahezu zwei Drittel der australischen Bevölkerung leben in Gebieten mit fluoridiertem Trinkwasser, wobei die Unterstützung in der Bevölkerung abnimmt, obwohl eine aktuelle Erhebung Sicherheit und Wirksamkeit erneut bestätigt hat.
Ergebnisse epidemiologischer Studien zur Zahngesundheit der Australier unterstützen einhellig die positiven Wirkungen der Trinkwasserfluoridierung. Dazu gehört auch eine neue Untersuchung, die zeigt, dass eine lebenslange Exposition gegenüber fluoridiertem Trinkwasser einhergeht mit durchschnittlichen Verminderungen beim Zahnkaries-Index um 2,0 Punkte bei Erwachsenen und zwischen 0,12 und 0,30 Punkten bei Kindern im Vergleich zu Nicht-Exponierten. Die Trinkwasserfluoridierung vermindert darüber hinaus das sozioökonomische Ungleichgewicht bei Karieserkrankungen.
Die Prävalenz einer dentalen Fluorose könnte tatsächlich zugenommen haben. Möglicherweise geht die höhere Anzahl diagnostizierter Fälle aber auch auf eine erhöhte Aufmerksamkeit für die Erkrankung zurück. Grundsätzlich muss die Gesamtexposition gegenüber Fluorid (in Form von Zahncreme, Tabletten, Trinkwasser) berücksichtigt werden, um die Kosten-Nutzen-Relation zu optimieren. Trotzdem ist nach Ansicht des Autors die allgemeine Trinkwasserfluoridierung weiterhin die wirksamste und sozial am besten geeignete Maßnahme zur Verhinderung von Zahnkaries in jedem Lebensalter.

 

Loh T.
Thirty-eight years of water fluoridation--the Singapore scenario.
Community Dent Health. 1996 Sep;13 Suppl 2:47-50. Review.

 

Diese Arbeit schildert die Situation der Trinkwasserfluoridierung in Singapur (Stand 1996), wo sie wegen der hohen Zahnkariesrate bei Schulkindern im Jahr 1958 eingeführt wurde - als erstem asiatischem Land. Der Fluoridzusatz betrug 0,7 ppm Fluorid.
Die erste umfassende Beurteilung der Wirksamkeit über 10 Jahre zeigte eine Abnahme der Kariesprävalenz der bleibenden Zähne bei 7- bis 9-jährigen Kindern, mit einer Verminderung um bis zu 52,3 %.
Auch dieser Autor ist der Ansicht, dass eine Trinkwasserfluoridierung das kostengünstigste Mittel der öffentlichen Gesundheitspflege zur Verhinderung von Zahnkaries darstellt.