Aus Forschung
& Wissenschaft

Hydrogencarbonat

 

Magen, Darm

Hydrogencarbonat kann vor allem bei funktionellen Magen-Darm-Beschwerden wie etwa Sodbrennen und gastro-ösophagealem Reflux durch seine Pufferkapazität die Symptomatik positiv beeinflussen. Eine Reihe von Studien belegt das.

 

Beer AM, Uebelhack R, Pohl U

Efficacy and tolerability of hydrogen carbonate-rich water for heartburn

World J Gastrointest Pathophysiol. 2016 Feb

 

Diese klinische Pilotstudie untersucht die Wirksamkeit eines hydrogencarbonatreichen Wassers bei Sodbrennen an 50 Patienten. Diese tranken sechs Wochen lang 1,5 l eines hydrogencarbonatreichen Testwassers, jeweils 300 ml zu den Mahlzeiten und den Rest über den Tag verteilt. Im Vergleich zum Studienbeginn hatten sich nach sechs Wochen folgende Besserungen eingestellt: Die Häufigkeit des Sodbrennens reduzierte sich von acht Mal pro Woche auf drei Mal pro Woche. Bei 89,6 % der Teilnehmer sank die Häufigkeit. Die Dauer des Sodbrennens sank von 44 Min. auf 25 Min. Dabei trat bei 79,2 % der Patienten eine Besserung ein. Auch bei den weiteren Symptomen der Reflux-Krankheit zeigten sich signifikante Besserungen. Zudem besserte sich die Lebensqualität der Teilnehmer, wie die signifikante Verbesserung der Schlafqualität, der Vitalität und die signifikante Abnahme emotionalen Stresses zeigen.
Insgesamt beurteilten 89,4 % der Teilnehmer die Wirksamkeit des hydrogencarbonatreichen Wassers als gut oder sehr gut, auch 91,5 % der beteiligten Forscher taten dies. Die Autoren schließen, dass ein hydrogencarbonatreiches Wasser die Symptome des Sodbrennens bei Betroffenen mildern kann und deren subjektives Wohlbefinden zu steigern vermag.

 

Ute Pohl, Annegret Auinger, Gordana Bothe, Ralf Uebelhack
Pilot Trial on the Efficacy and Safety of a Natural Mineral Water Rich in Hydrogen
Carbonate on Functional Dyspepsia and Heartburn

Open Journal of Gastroenterology, 2016, 6, 88-96

 

Diese Pilotstudie untersucht an 53 Patienten mit Sodbrennen zwischen 18 und 65 Jahren die Wirkung eines hydrogencarbonatreichen Mineralwassers. Die Patienten erhielten sechs Wochen lang täglich 1,5 l des hydrogencarbonatreichen Mineralwassers, das sie vor den Mahlzeiten trinken sollten, vor allem 200 - 500 ml vor dem Frühstück und den Rest zwischen den Mahlzeiten.
Die Häufigkeit des Sodbrennens hatte nach drei Wochen um 57 % und nach sechs Wochen um 67 % signifikant abgenommen, von durchschnittlich 6,4 zu Beginn auf 1,9 Episoden. Bei 81 % der Patienten trat eine Verbesserung ein.
Auch die Dauer der Episoden nahm in den sechs Wochen signifikant um 26 Minuten ab, von durchschnittlich 35,2 auf 9,4 Minuten. Dies war nach drei Wochen bei 76 % der Teilnehmer der Fall und nach sechs Wochen bei 89 %. Signifikante Verbesserungen ergaben sich auch bei der Regurgitation und Dyspepsie im Allgemeinen.
Das Trinken des hydrogencarbonatreichen Mineralwassers hatte zudem eine signifikante, positive Wirkung auf emotionalen Stress, Schlafstörungen, Ess- und Trinkprobleme, körperliches und soziales Wohlbefinden sowie die Vitalität. Auch das subjektive Wohlbefinden verbesserte sich signifikant.
Die Autoren schließen, dass das tägliche Trinken von 1,5 l hydrogencarbonatreichen Mineralwassers eine positive Wirkung bei Dyspepsie und Sodbrennen zeigt. Das Wasser könnte Patienten mit Sodbrennen empfohlen werden, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. 

 

Nassini R, Andrè E, Gazzieri D, De Siena G, Zanasi A, Geppetti P, Materazzi S

A Hydrogencarbonate-alkaline mineral water protects from ethanol-induced hemorrhagic gastric lesions in mice

Biol Pharm Bull. 2010;33(8):1319-23

 

Erhöhte Mengen an Alkohol führen zu Läsionen der Magenschleimhaut durch oxidativen Stress. In dieser wissenschaftlichen Arbeit einer italienischen Forschergruppe wurde untersucht, in wie weit ein bicarbonathaltiges Mineralwasser (683,2 mg/l Hydrogencarbonat) vor alkoholinduzierten Magenschleimhautschäden schützen kann. Weiterhin wurde geprüft, in wie weit weitere Mineralstoffe in dem Wasser wichtig sind und ob der zeitliche Abstand zwischen Einnahme des Mineralwassers und der alkoholischen Belastung relevant ist. Die Untersuchungen wurden an Mäusen durchgeführt.

Es wurden histologische Untersuchungen der Magenschleimhaut vorgenommen; aus Magenschleimhautmaterial wurden mittels ELISA Lipid-Peroxide nachgewiesen als Marker für oxidativen Stress sowie schleimhautschützendes Prostaglandin PEG2. Im Vergleich wurde Leitungswasser getestet. Wurde das Mineralwasser 3 Stunden vor der Alkoholbelastung (23 ml/kgKG Äthanol) verabreicht, zeigte sich - ebenso wie mit Leitungswasser - kein protektiver Effekt. Wurde allerdings direkt vor der Alkoholbelastung (30 Min.) das Mineralwasser verabreicht, so konnten die Läsionen der Magenschleimhaut sowie die Bildung von Lipidperoxiden um 70 % reduziert werden, Die PEG2 -Level stiegen signifikant an. Das Leitungswasser zeigte keinen Effekt. Der protektive Effekt war auf den Bicarbonatgehalt zurückzuführen, da mit Bicarbonat angereichertes Leitungswasser ebenfalls protektiv war.

 

Gasbarrini G, Candelli M, Graziosetto RG, Coccheri S, Di Iorio F, Nappi G.
Evaluation of thermal water in patients with functional dyspepsia and irritable bowel syndrome accompanying constipation.
World J Gastroenterol. 2006 Apr 28;12(16):2556-62.

 

Diese Studie untersuchte die Wirksamkeit einer Mineralwassertrinkkur bei Patienten mit funktioneller Dyspepsie oder Reizdarmsyndrom (irritable bowel syndrome, IBS) mit Obstipation.
Insgesamt 3872 Patienten mit funktioneller Dyspepsie und 3609 Patienten mit Reizdarmsyndrom wurden aufgenommen. Die Patienten erhielten einen ersten Zyklus mit täglich 2 l eines hydrogencarbonat- oder sulfatreichen Mineralwassers über 21 Tage. Ein Jahr darauf wurden die Teilnehmer erneut untersucht und erhielten einen zweiten Zyklus der Trinkkur. Jeder Patient füllte zu Studienbeginn und nach 1 Jahr einen Fragebogen zu Symptomatik, Lebensstil und Inanspruchnahme medizinischer Leistungen aus. Zu Studienbeginn und nach den beiden Trinkkur-Phasen wurde die gastrointestinale Symptomatik beurteilt; bei 60 Patienten mit funktioneller Dyspepsie und bei 20 Patienten mit IBS sowie bei 80 gesunden Kontrollen wurden zu diesen Zeitpunkten zusätzlich die Magensäuresekretion (Dyspepsie) bzw. die orozökale Transitzeit (IBS) bestimmt.
Die Ergebnisse zeigten bei allen Patienten eine signifikante Verminderung der Symptomhäufigkeit zum Ende des ersten und zweiten Trinkkur-Zyklus. Außerdem wurde nach den Trinkkuren im Vergleich zu Studienbeginn eine Verminderung der Magensäuresekretion bei den Patienten mit Dyspepsie gefunden, bei den Patienten mit IBS eine signifikant geringere orozökale Transitzeit.
Eine Trinkkur mit Mineralwasser kann also nach Ansicht der Autoren bei funktioneller Dyspepsie oder Obstipation bei IBS die überschießende Magensäurebildung und die intestinale Transitzeit verbessern.

 

Bertoni M, Olivieri F, manghetti M, Boccolini E, Bellomini MG, Blandizzi C, Bonino F, Del Tacca M.
Effects of a bicarbonate-alkaline mineral water on gastric functions and functional dyspepsia: a preclinical and clinical study.
Pharmacol Res. 2002 Dec;46(6):525-31.

 

Die vorliegende Studie sollte beurteilen: (1) den Einfluss eines Hydrogencarbonat-reichen Mineralwassers auf die Symptomatik bei Patienten mit funktioneller Dyspepsie sowie (2) die Wirkung dieses Mineralwassers auf Magenfunktionsstörungen.
Im klinischen Teil der Studie erhielten insgesamt 18 Patienten mit dyspeptischen Beschwerden innerhalb der vergangenen 3 Monate über 30 Tage das mineralstoffreiche Wasser (1,5 l pro Tag, u.a. Hydrogencarbonatgehalt 683 mg/l). Häufigkeit und Schwere von Symptomen wurden zu Studienbeginn und nach 30 Tagen anhand von Punktwerten beurteilt.
Im präklinischen Teil erhielten insgesamt 60 Ratten Mineralwasser (n = 30) oder mineralstoffarmes Wasser (n = 30) über 30 Tage. Beurteilt wurden die Sekretion von Magensäure, Pepsinogen und Schleim sowie die Magenentleerung.
Bei den Patienten zeigte sich nach den 30 Tagen der Mineralwasserzufuhr eine signifikante Besserung von Schwere und Häufigkeit der dyspeptischen Symptomatik, etwa epigastrische Schmerzen oder Sodbrennen.
Im Tiermodell verstärkte das Mineralwasser die Säure- und Pepsinogensekretion und beschleunigte die Magenentleerung. Die Schleimsekretion wurde nicht beeinflusst. Dabei wurden die Wirkungen des Mineralwassers vermutlich durch einen Gastrin- bzw. Cholezystokinin-2-abhängigen Mechanismus vermittelt, da die Hemmung der entsprechenden Rezeptoren die Wirkungen aufhob.
Insgesamt weisen diese Befunde darauf hin, dass die regelmäßige Zufuhr eines hydrogencarbonatreichen Mineralwassers dyspeptische Symptome bei funktionellen Magenbeschwerden verbessern kann. Die präklinischen Ergebnisse zeigen die Grundlage dieser Wirkung: Sowohl Magenmotorik als auch Sekretionsleistung werden positiv beeinflusst.

 

Böhmer H, Resch KL, Waldow R.
Dyspepsie: Hydrogencarbonathaltige Heilwässer unterstützen die Therapie mit Antazida.
Natura Med 2001;16: 28-33

 

Die Übersichtsarbeit von Böhmer et al. fasst die Bedeutung hydrogencarbonatreicher Heilwässer (Hydrogencarbonatgehalt ab 1,3 g/l, aber auch deutlich mehr) bei funktionellen dyspeptischen Beschwerden wie epigastrischem Druckgefühl, saurem Reflux bis hin zu Übelkeit und Erbrechen zusammen. Die Heilwasser wirken praktisch als natürliches Antazidum, indem sie zum einen das HCl der Magensäure über eine chemische Reaktion neutralisieren, zum andern greifen sie aber möglicherweise auch in das Zusammenspiel von säurehemmenden und säurefördernden Enterohormonen wie Gastrin u.a. ein und verschieben das Gleichgewicht in Richtung Säurehemmung. Rein rechnerisch kann ein hydrogencarbonatreiches Heilwasser die gleiche Säurepufferkapazität liefern wie frei verkäufliche Antazida auf Calciumcarbonat-/Magnesiumcarbonat-Basis
Auch Studien konnten zeigen, dass unter hydrogencarbonatreichen Wässern tatsächlich der pH-Wert des Magens angehoben werden konnte, und dass es bei Patienten, die Trinkkuren durchführten, zu deutlichen Besserungen der Symptomatik, vor allem eines sauren Reflux, kam.
Weiter Vorteile der Wässer: Eine ausreichende Hydrierung wird gewährleistet, Intoxikationen sind praktisch ausgeschlossen, und die neben dem Hydrogencarbonat vorhandenen Kationen wie Magnesium und Calcium weisen eine gute Bioverfügbarkeit auf und tragen zum Mineralstoffgleichgewicht des Organismus bei.
 

 

Grassi M, Fraioli A, Pappalardo G, Messina B, Belardinelli L, Guadalaxara A.
Alkalizing activity of a calcium-bicarbonate-containing water, evaluated for pH, in patients with gastroesophageal reflux
Clin Ter. 1993 Aug;143(2):131-6. Italian.

 

Patienten mit pH-metrisch gesichertem gastro-ösophagealem Reflux erhielten ein calcium- und hydrogencarbonatreiches Mineralwasser (Calciumgehalt 486,6 mg/l; Hydrogencarbonatgehalt 1750,7 mg/l) im Nüchternzustand (2 Patienten) und zu den Mahlzeiten (10 Patienten).
Es fanden sich deutliche und anhaltende Erhöhungen der pH-Werte im Ösophagus und im Magen, mit signifikanten Unterschieden zu Kontrollpersonen, die Leitungswasser erhalten hatten. Zusätzlich berichteten die Patienten über eine Verbesserung von Sodbrennen nach der Verabreichung des Hydrogencarbonat-Calcium-haltigen Wassers. Die positive alkalisierende Wirkung dieses Mineralwassers wird, so die Autoren, durch diese Daten voll bestätigt.