Aus Forschung
& Wissenschaft

Hydrogencarbonat

 

Diabetes

 

Ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus ist mit einer chronischen
metabolischen Azidose verbunden - dementsprechend gab es immer wieder
Überlegungen, ob ein alkalisches Milieu sich möglicherwiese positiv auf eine
diabetische Stoffwechsellage oder prädiabetische Zustände wie eine erhöhte
Insulinresistenz bzw. verminderte Insulinempfindlichkeit auswirken kann.
Zwei Arbeiten besprechen den theoretischen Hintergrund und zeigen positive
Studienergebnisse.

 

Mandel EI, Curhan GC, Hu FB, Taylor EN
Plasma bicarbonate and risk of type 2 diabetes mellitus

CMAJ. 2012 Sep 18;184(13):E719-25, Epub 2012 Jul 23

 

Verschiedene Biomarker wie die metabolische Azidose sind mit erhöhter Insulinresistenz assoziiert. Ziel dieser prospektiven Fall-Kontroll-Studie über einen Zeitraum von 10 Jahren war es zu analysieren, inwiefern ein niedriger Plasma-Bicarbonat-Spiegel mit der Entwicklung von Diabetes mellitus Typ-2 assoziiert ist. Die Studie war Teil der US-Längsschnittstudie Nurses‘ Health Study. Es wurden 630 Krankenschwestern ohne Diabetes sowie entsprechende Kontrollpersonen eingeschlossen, die nach den Kriterien Alter, Gewicht und ethnischer Gruppe passten.
Je nach Höhe der Plasma-Bicarbonat-Spiegel wurden Quartile gebildet. Es zeigte sich, dass Frauen, deren Bicarbonat-Spiegel über dem Mittelwert lag, ein um 14 % geringeres Risiko für die Entwicklung von Diabetes hatten als Frauen mit Spiegeln unter dem Mittelwert (OR 0.76; 95 % Konfidenz Intervall [CI] 0,60-0,96). Im Vergleich zum Quartil mit den niedrigsten Bicarbonat-Spiegeln hatten Frauen mit Spiegeln im höchsten Quartil ein um 25 % reduziertes Diabetes Risiko (OR 0,75; 95% CI 0,54-1,05) (p = 0,04).
Die Autoren folgern, dass Frauen mit höheren Plasma-Bicarbonat-Spiegeln ein geringeres Risiko für die Entwicklung von Diabetes mellitus haben.

 

 

Schoppen S, Sánchez-Muniz FJ, Pérez-Granados M, Gómez-Gerique JA, Sarriá B, Navas-Carretero S, Pilar Vaquero M.
Does bicarbonated mineral water rich in sodium change insulin sensitivity of postmenopausal women?
Nutr Hosp. 2007 Sep-Oct;22(5):538-44.

 

Diese dreiarmige randomisierte Crossover-Studie untersuchte die Wirkungen von zwei Natrium-Hydrogencarbonat-reichen Mineralwässern (Wasser 1: Hydrogencarbonatgehalt 2094,4 mg/l, Natriumgehalt 1116,6 mg/l, Fluorid 7,9 mg/l; Wasser 2: Hydrogencarbonatgehalt 2013 mg/l, Natriumgehalt 948mg/l, Fluorid 1,4 mg/l) zusammen mit einer Standardmahlzeit auf die postprandialen Insulin- und Glucosekonzentrationen bei 18 gesunden postmenopausalen Frauen.
Die Teilnehmerinnen tranken 0,5 l eines der Natrium-Hydrogencarbonat-reichen Mineralwässer oder ein Wasser mit niedrigem Mineralstoffgehalt (Placebo) zusammen mit einer fettreichen Standardmahlzeit. Nüchtern sowie 30, 60 und 120 Minuten postprandial wurden Blutproben entnommen, bestimmt wurden die Konzentrationen von Serumglucose und Insulin.
Die Ergebnisse zeigten keine Veränderung der Glucosekonzentrationen. Nach 120 Minuten waren die Insulinkonzentrationen unter Wasser 1 signifikant niedriger als unter dem Placebowasser (p = 0,022), zwischen Wasser 1 und Wasser 2 fanden sich keine Unterschiede.
Die Ergebnisse legen nach Ansicht der Autoren eine Zunahme der Insulinempfindlichkeit durch die hydrogencarbonatreichen Mineralwässer nahe. Diese Wässer sollten demnach als wichtiger Bestandteil einer gesunden Ernährung zur Verhinderung von Insulinresistenz und kardiovaskulären Erkrankungen gelten.

 

McCarty MF.
Acid-base balance may influence risk for insulin resistance syndrome by modulating cortisol output.
Med Hypotheses. 2005;64(2):380-4.

 

Diese Übersichtsarbeit beleuchtet die Zusammenhänge von Säure-Basen-Haushalt und Insulinwirkung. Eine leichte metabolische Azidose, wie sie bei einer Ernährung mit hohem Anteil tierischer Proteine und wenig Obst und Gemüse einhergeht, kann die Cortisolausschüttung der Nebennierenrinde dauerhaft erhöhen. Cortisol wiederum fördert die Entwicklung einer abdominellen Adipositas und übt eine direkte negative Wirkung auf die Insulinreaktion im ganzen Körper aus. Die Up-Regulation der Cortisolsekretion könnte also das Risiko für das Auftreten einer Insulinresistenz und in der Folge eines Typ-2-Diabetes erhöhen. Diese Hypothese steht im Einklang mit epidemiologischen Studien, nach denen eine hohe Zufuhr von - sich im Stoffwechsel alkalisierend verhaltendem - Obst und Gemüse mit einem verminderten Risiko für Diabetes und koronare Herzkrankheit einherging. Weitere prospektive Studien müssten untersuchen, ob das geschätzte Säure-Basen-Gleichgewicht verschiedener Ernährungsformen mit dem Risiko für eine Insulinresistenz und Diabetes korreliert.