Forschung und WissenschaftMagnesiumSchwangerschaft

 

Aus Forschung & Wissenschaft

Magnesium

 

Schwangerschaft

Eine Therapie vorzeitiger Wehen in der Spätschwangerschaft mit Magnesium in pharmakologischen Dosen ist bekannt und nachgewiesenermaßen wirksam. Studien zur Magnesiumsupplementation in physiologischen Dosierungen während der Schwangerschaft und ihre Auswirkungen auf die Häufigkeit vorzeitiger Wehen, Frühgeburtlickeit und Auftreten des plötzlichen Säuglingstods im 1. Lebensjahr des Kindes sollten, so eine Übersichtsarbeit, durchgeführt werden.

Schlegel RN, Cuffe JS, Moritz KM, Paravicini TM
Maternal hypomagnesemia causes placental abnormalities and fetal and postnatal mortality
Placenta. 2015 Apr 11


Dieser Tierversuch analysiert die Auswirkung eines Magnesiummangels der Mutter auf die Entwicklung der Plazenta, des Fötus sowie des Neugeborenen. Dazu erhielten weibliche Mäuse 4 Wochen vor und auch während der Schwangerschaft eine auf ihr Körpergewicht bezogene Magnesiumdiät, entweder 0,2 % Mg (Kontrolle) oder 0,02 % Mg (moderater Magnesiummangel) oder 0,002 % (starker Magnesiummangel).
Nach 18 Schwangerschaftstagen waren die Magnesiumkonzentrationen im Blutplasma bei den Mäusen mit Magnesiummangeldiät signifikant niedriger als bei Mäusen der Kontrollgruppe. Die Magnesiumkonzentration sank nur im Blut der Föten, deren Mütter einen starken Magnesiummangel hatten (0,15 mmol/l versus 0,78 mmol/l). Bei ihnen nahm auch die Magnesiumkonzentration in den Knochen signifikant ab.
Bei den Mäusen mit starkem Magnesiummangel entwickelte sich die Plazenta nicht normal, was wohl mit dazu beitrug, dass diese Mäuse signifikant weniger Junge zur Welt brachten und auch mehr Embryonen resorbiert wurden. Die Nachkommen dieser Mäuse hatten ein größeres Risiko, nach der Geburt zu sterben, und sie entwickelten sich langsamer. Auch die Nachkommen der Mütter mit moderatem Magnesiummangel waren bei der Geburt kleiner, konnten jedoch in der Entwicklung wieder aufholen.
Die Autoren folgern, dass ein Magnesiummangel der Mutter während der Schwangerschaft die Plazentaentwicklung und das Wachstum des Fötus hemmt, was langfristige negative Folgen für die Gesundheit des Nachkommen haben kann.

 

 

Bullarbo M, Odman N, Nestler A, Nielsen T, Kolisek M, Vormann J, Rylander R 

Magnesium supplementation to prevent high blood pressure in pregnancy: a randomised placebo control trial  

Arch Gynecol Obstet. 2013 Dec;288(6):1269-74 

 

In dieser schwedischen randomisierten und placebo-kontrollierten Studie an schwangeren Erstgebärenden wurde untersucht, ob orales Magnesiumzitrat die Inzidenz der im letzten Schwangerschaftsdrittel häufig auftretenden Hypertonie reduzieren kann. Es wurden 59 Frauen eingeschlossen, die ab der 25. Schwangerschaftswoche Magnesiumzitrat (300mg/d) oder Placebo einnahmen. Blutdruck und Schwangerschaftsverlauf wurden in 2-3 wöchigen Abständen überwacht.
Es zeigte sich, dass in der Interventionsgruppe der mittlere diastolische Blutdruck in Woche 37 signifikant niedriger war als in der Placebo-Gruppe (72 mmHg versus 77mmHg; p = 0.031).
Verglichen mit der Kontrollgruppe waren in der Interventionsgruppe signifikant weniger Frauen mit einem Anstieg des diastolischen Blutdrucks in Woche 37 um > 15 mmHg (p = 0.011). Weiterhin gab eine umgekehrte Korrelation zwischen Mg-Ausscheidung im Urin und diastolischem Blutdruck (p = 0.005). Die Autoren folgern, dass der Anstieg des diastolischen Blutdrucks am Ende der Schwangerschaft durch einen Magnesiummangel bedingt ist.

 

 

Durlach J.
New data on the importance of gestational Mg deficiency.
J Am Coll Nutr. 2004 Dec;23(6):694S-700S. Review.

 

Diese Übersichtsarbeit fasst die Folgen eines chronischen Magnesiummangels während der Schwangerschaft für Mutter und Kind zusammen. So können durch das Defizit aufgrund einer Übererregbarkeit der Uterusmuskelzellen vorzeitige Wehen und in der Folge möglicherweise Frühgeburten ausgelöst werden.
Nach der Geburt könnte das Magnesiumdefizit während der Schwangerschaft beim Neugeborenen zum Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) beitragen. Ursache ist nach Durlach eine aufgrund des Magnesiummangels unzureichend ausgereifte Kontrolle der Thermoregulation durch das braune Fettgewebe, was zu einem fehlerhaften „Normalwert" für die Körpertemperatur führt. In der Folge kann es durch Thermoregulationsstörungen zum plötzlichen Kindstod kommen.
Verschiedene Faktoren können beim Säugling aus einem einfachen Magnesiummangel eine schwere Magnesiumverarmung machen, wobei die Rolle von „chronopathologischem Stress" oft vernachlässigt wird. Dabei ist dies die klinische Manifestation einer nicht ausgereiften biologischen Uhr, des photoneuroendokrinen Systems, was zu einer verminderten Melatoninbildung führt, die wiederum mit einem SIDS in Zusammenhang stehen könne.
Eine Prävention derartiger Folgen sollte die Magnesiumgabe an schwangere Frauen beinhalten, neben einer totalen nächtlichen Lichtabschirmung in der Nacht für das Kind.