Forschung und WissenschaftCalciumSchwangerschaft

 

Aus Forschung & Wissenschaft

Calcium

 

Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft ist eine Belastung für den Calciumhaushalt der Mutter: Der Fetus benötigt zu Beginn etwa 50 mg, später bis zu 330 mg Calcium täglich für Ausbildung und Wachstum seines Skeletts. Dieses Calcium stammt von der Mutter. Wenn sie den Mineralstoff nicht in ausreichender Menge zuführt, wird er aus den Knochenspeichern herausgelöst.
Ein anderes Problem ist die Entwicklung einer Präeklampsie mit Hypertonie, Proteinurie und Ödemen, die die Gesundheit von Mutter und Kind gefährdet, wenn sie bis zur manifesten Eklampsie mit Krampfanfällen fortschreitet. Die Verhinderung präeklamptischer Zustände ist daher ein wichtiges Ziel der Geburtshelfer. Calcium scheint nach einer Reihe von Studien hier einen protektiven Effekt zu bieten.

Meertens LJE1, Scheepers HCJ2, Willemse JPMM3, Spaanderman MEA2, Smits LJM1.
Should women be advised to use calcium supplements during pregnancy? A decision analysis.
Matern Child Nutr. 2018 Jan;14(1). doi: 10.1111/mcn.12479. Epub 2017 Jun 18.

 

In dieser Arbeit wurde mithilfe eines entscheidungsanalytischen Modells die Auswirkung einer Empfehlung zur Einnahme von Calciumpräparaten (1.000 mg/Tag) bei schwangeren Frauen im Hinblick auf die Verhinderung von Schwangerschaftsvergiftungen (Präeklampsie) sowie die Minimierung der damit verbundenen Gesundheitskosten berechnet. Die Berechnung wurde an einer hypothetischen Kohorte von 100.000 schwangeren Frauen für die folgenden drei Szenarien durchgeführt: Empfehlung einer Ca-Supplementation bei (1) allen schwangeren Frauen, (2) Frauen mit hohem Risiko für die Entwicklung einer Präeklampsie, oder (3) Frauen mit einer niedrigen Calciumaufnahme (<900 mg/Tag). Die Häufigkeit von Schwangerschaftsvergiftungen könnte um jeweils 25%, 8% oder 13% gesenkt werden, sofern die Supplementierung für alle schwangeren Frauen, für Frauen mit einem hohen Risiko für Präeklampsie bzw. für Frauen mit einer niedrigen Calciumzufuhr empfohlen werden würde. Somit kann eine grundsätzliche Empfehlung für eine ausreichende Calciumzufuhr bei Schwangeren die Häufigkeit von Schwangerschaftsvergiftungen senken.  

 

 

 

Y Miyake, K Tanaka, H Okubo, S Sasaki and M Arakawa
Intake of dairy products and calcium and prevalence of depressive symptoms during pregnancy in Japan: a cross-sectional study.
BJOG: An International Journal of Obstetrics & Gynaecology, February 2015

 

Diese Kohortenstudie untersucht den Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Calcium und Auftreten depressiver Symptome während der Schwangerschaft bei 1745 Japanerinnen (Alter 31,2 Jahre, BMI 21,4).
Diese wurden zwischen der 5. und 39. Schwangerschaftswoche bezüglich aktueller depressiver Symptome (CES-D = Center for Epidemiologic Studies - Depression) und ihrer Ernährung mittels Fragebogen (DHQ = dietary history questionnaire) befragt.
Die Menge des täglichen Verzehrs an Calcium und Milchprodukten wurde ermittelt, in Quartile aufgeteilt und bezüglich der depressiven Symptome analysiert.
Dabei fand sich der klarste Zusammenhang für Calcium mit einer Reduktion des Risikos für das Auftreten einer Depression (definiert als Score >16 im CES-D) um ca. 41 % (OR = 0,59, CI = 0,4 - 0,88 für adjustierte Analyse p=0,006) bei der höchsten Calciumaufnahme (im Mittel 679 mg pro Tag) gegenüber der geringsten Calcium-Aufnahme (im Mittel 336 mg pro Tag). Für die Milchprodukte insgesamt, Milch und Käse konnte dieser Zusammenhang nicht nachgewiesen werden, sondern lediglich für Joghurt (OR = 0,69, CI = 0,48-0,99, p=0,03).
Die Autoren folgern daraus, dass eine erhöhte Aufnahme von Calcium und Joghurt mit einem geringeren Auftreten von depressiven Symptomen bei schwangeren Frauen einhergeht.

 

 

Schoenaker D, Soedamah-Muthu SS, Mishra GD
The association between dietary factors and gestational hypertension and pre-eclampsia: a systematic review and meta-analysis of observational studies
BMC Med. 2014 Sep 22;12(1):157

 

In diesem systematischen Review mit Metaanalyse wurde untersucht, welchen Einfluss Energieaufnahme, Ernährungsweise, Calcium- und Magnesium-Aufnahme über Nahrung oder in Kombination mit Supplementen auf die Häufigkeit von Schwangerschaftshochdruck und Präeklampsie haben. Hierzu wurde eine systematische Datenbanksuche (MEDLINE; EMBASE) durchgeführt. Insgesamt 23 Kohortenstudien und 15 Fall-Kontrollstudien, die bis Mai 2014 publiziert worden waren, wurden eingeschlossen. 7 Fall-Kontrollstudien und 9 Kohortenstudien konnten in der Metaanalyse ausgewertet werden.
Bei 1,7 bis 17,3 % der Schwangeren wurde ein Bluthochdruck, bei 1,3 bis 7,6 % eine Präeklampsie diagnostiziert. In den meisten Studien wurden Ernährungsgewohnheiten über Fragebogen erhoben, sonst über Interviews. Die diagnostischen Kriterien für Bluthochdruck (> 140/90) und Präeklampsie (Hypertonie mit Proteinurie) waren einheitlich.
Die Metaanalyse erbrachte, dass Frauen mit Präeklampsie mehr Kalorien (im Durchschnitt 46 kcal/Tag) zu sich nahmen als Frauen ohne Präeklampsie. Weiterhin zeigte sich, dass Frauen mit Bluthochdruck im Mittel 8 mg weniger Magnesium und 44 mg weniger Calcium pro Tag aufnahmen als Frauen ohne Bluthochdruck. Frauen mit der höchsten Calcium-Aufnahme (> 1600 mg/Tag) hatten ein um 37 % geringeres Risiko, einen Schwangerschaftshochdruck zu entwickeln als Frauen mit der geringsten Calcium-Aufnahme (< 1000 mg/Tag).
Auch der reichliche Verzehr von Obst und Gemüse korrelierte umgekehrt mit der Häufigkeit von Präeklampsie bzw. Schwangerschaftshochdruck.
Die Autoren folgern, dass Schwangere mit vergleichsweise hoher Kalorien- und geringer Calcium- und Magnesiumaufnahme ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck und Präeklampsie haben.

 

 

Hacker AN, Fung EB, King JC
Role of calcium during pregnancy: maternal and fetal needs
Nutr Rev. 2012 Jul;70(7):397-409

 

Dieser Literaturreview greift das spezielle Thema der Veränderungen des Calcium-Stoffwechsels in der Schwangerschaft auf. Es werden die gesundheitlichen Auswirkungen eines Calciummangels auf Mutter und Kind diskutiert. Für Frauen, die die empfohlene Tagesmenge von 1000 mg Calcium über die Nahrung zu sich nehmen, besteht kein weiterer Handlungsbedarf. Allerdings nehmen insbesondere Afro-Amerikanerinnen, bei denen häufig (75 %) eine Laktoseintoleranz vorliegt, weniger als 500 mg Calcium pro Tag zu sich. Bei dieser chronisch suboptimalen Versorgung kann es zu Verlust der Knochenmasse der Schwangeren sowie zu Beeinträchtigungen des fetalen Knochenstoffwechsels kommen. 

 

Hofmeyr GJ, Atallah AN, Duley L.
Calcium supplementation during pregnancy for preventing hypertensive disorders and related problems.
Cochrane Database Syst Rev. 2006 Jul 19;3:CD001059. Review.

Hofmeyr GJ, Lawrie TA, Atallah AN, Duley L.
Calcium supplementation during pregnancy for preventing hypertensive disorders and related problems.
Cochrane Database Syst Rev. 2010 Aug 4; (8): CD001059. Review. 

 

Die beiden Cochrane-Reviews  (ursprünglich von 2006, Update von 2010) überprüfen die Wirksamkeit einer Calciumsupplementation während der Schwangerschaft auf hypertensive Schwangerschaftserkrankungen und damit zusammenhängende Outcomes für Mutter und Kind. Aufgenommen wurden randomisierte Studien mit Gabe von mindestens 1 g Calcium pro Tag und Placebokontrolle bis Mai 2010 (Update), wobei sich die ursprünglichen Ergebnisse von 2006 bei dem Update bestätigten und nun durch höhere Fallzahlen belegt werden konnten.
Bis 2010 wurden insgesamt 13 Studien mit 15.730 Frauen in die Arbeit aufgenommen. Insgesamt fand sich ein vermindertes durchschnittliches Risiko für das Auftreten eine Bluthochdrucks durch Calciumsupplementation im Vergleich zu Placebo (12 Studien, 15.470 Frauen, relatives Risiko [RR] 0,65). Auch das durchschnittliche Risiko für eine Präeklampsie war unter Calciumsupplementation geringer (13 Studien, 15.730 Frauen: RR 0,45). Die Wirkung war bei Hochrisikopatientinnen am ausgeprägtesten (fünf Studien, 587 Frauen, RR 0,22) sowie bei den Frauen, die zu Studienbeginn eine niedrige Calciumzufuhr aufwiesen (acht Studien, 10.678 Frauen, RR 0,36).
Das durchschnittliche Risiko für eine Frühgeburt war in den Calciumgruppen insgesamt  vermindert (elf Studien, 15.275 Frauen, RR 0,76) und auch bei der Untergruppe von Frauen mit hohem Präeklampsierisiko (vier kleinere Studien, 568 Frauen, RR 0,45). Das Risiko für eine Totgeburt oder Tod des Neugeborenen vor der Entlassung aus der Klinik wurde nicht beeinflusst (elf Studien, 15.665 Säuglinge, RR 0,90).
Der Komposit-Endpunkt mütterlicher Tod oder schwere Erkrankung der Mutter wurde vermindert (vier Studien, 9732 Frauen, RR 0,80), wobei die meisten Frauen in diesen Studien ein niedriges Gesamtrisiko aufwiesen und sich relativ calciumarm ernährt hatten.
Der Blutdruckverlauf im späteren Leben der Kinder wurde in einer hier eingeschlossenen Studie untersucht. Dabei erweis sich die Häufigkeit eines systolischen Blutdrucks oberhalb der 95. Perzentile als vermindert (514 Kinder, RR 0,59).
Nach Meinung der Autoren ist somit eine Calciumsupplementation vor allem zur Verminderung des Risikos einer Präeklampsie und einer Frühgeburt in der Schwangerschaft geeignet.

 

Kumar A, Devi SG, Batra S, Singh C, Shukla DK.

Calcium supplementation for the prevention of pre-eclampsia.

Int J Gynaecol Obstet. 2009 Jan;104(1):32-6. Epub 2008 Oct 11.

 

Auch die folgende Arbeit untersucht die Wirkung einer Calciumsupplementation während der Schwangerschaft auf den Blutdruck der Mutter und Outcome von Mutter und Kind. Insgesamt 524 gesunde Erstgebärende mit einem Blutdruck unter 140/90 mm Hg und einer durchschnittlichen Calciumaufnahme von 314 mg pro Tag (Bereich 86 bis 911 mg) wurden randomisiert und erhielten zwischen der 12. und 25. Schwangerschaftswoche 2 g Calcium pro Tag oder Placebo. Sie wurden bis zur Entbindung nachbeobachtet.
Die Häufigkeit einer Präeklampsie war signifikant geringer in der Calciumgruppe (4,0 % vs. 12,0 %; OR 0,31); auch die Blutdruckwerte waren zu Studienende unter Calcium signifikant geringer (systolischer Druck: p = 0,007; diastolischer Druck: p = 0,02). Das Risiko für eine Frühgeburt lag in der Calciumgruppe ebenfalls niedriger (7,0 % vs. 12,7 %; OR 0,51).
Nach Meinung der Verfasser scheint also eine Calciumsupplementation bei Erstgebärenden mit im Schnitt deutlich zu geringer Calciumzufuhr eine geeignete Maßnahme, um die Häufigkeit von Präeklampsien und Frühgeburten zu vermindern.

 

Punthumapol C, Kittichotpanich B.
Serum calcium, magnesium and uric acid in preeclampsia and normal pregnancy.
J Med Assoc Thai. 2008 Jul;91(7):968-73.

 

Diese Querschnittstudie aus Bangkok untersuchte 36 Frauen mit normaler Schwangerschaft, 35 mit leichter Präeklampsie und 33 mit schwerer Präeklampsie zwischen April 2006 und Juni 2007 auf die Konzentrationen von Calcium, Magnesium und Harnsäure im Serum.
Es fanden sich bei Frauen mit schwerer Präeklampsie signifikant geringere Serumkonzentrationen von Calcium als bei gesunden Schwangeren (8,7 mg/dl vs. 9,05 mg/dl; p  = 0,014) und erhöhte Konzentrationen von Harnsäure (7,01 mg/dl vs. 5,33 mg/dl; p < 0,001) als bei Frauen mit normaler Schwangerschaft. Zwischen Frauen mit leichter Präeklampsie und solchen mit normaler Schwangerschaft fanden sich keine derartigen Unterschiede, ebenso für die Magnesiumkonzentrationen. Hypokalzämie und Hyperurikämie sind nach Schlussfolgerung der Autoren also mit einer schweren Präeklampsie korreliert.

 

Beinder E.
Calcium-supplementation in pregnancy--is it a must?
Ther Umsch. 2007 May;64(5):243-7. Review. German

 

Beinder bietet hier eine Übersicht zu den Empfehlungen für die Ernährung Schwangerer. Für Calcium gilt, dass die allgemeine Zufuhrempfehlung von 1000 mg pro Tag oft nicht erreicht wird. Eine diätetische Beratung zur Erhöhung der Calciumzufuhr mit der Ernährung, vor allem im zweiten und dritten Trimester und während der Stillzeit, ist daher sinnvoll. Dazu können etwa drei bis vier tägliche Portionen eines Milchprodukts dienen, aber auch calciumreiches Wasser. Werden diese Empfehlungen umgesetzt, ist eine weitere Calciumsupplementation bei Nicht-Risikoschwangerschaften im Allgemeinen nicht erforderlich.
Bei Frauen mit chronischen Autoimmunerkrankungen, die zu einer verminderten Calciumresorption führen, unter Therapie mit fraktioniertem Heparin, bei Laktoseintoleranz oder Ablehnung von Milchprodukten ist dagegen die Gabe von 500 bis 1000 mg Calcium zusätzlich empfehlenswert.

 

Bergel E, Barros AJ.
Effect of maternal calcium intake during pregnancy on children's blood pressure: a systematic review of the literature.
BMC Pediatr. 2007 Mar 26;7:15. Review.

Diese Arbeit ist insofern interessant, als sie sich mit einer Calciumsupplementation während der Schwangerschaft nicht im Hinblick auf das mütterliche Outcome beschäftigt, sondern mit der Blutdruckentwicklung der Kinder dieser Schwangerschaften. Dazu führten die Autoren eine Literaturrecherche nach entsprechenden randomisierten Studien und Kohortenstudien durch
Zwei randomisierte Studien und drei Beobachtungsstudien wurden in diese Arbeit eingeschlossen, wobei die ausreichend lange Nachbeobachtung sich als ein Problem erwies. Die Ergebnisse bei Studien mit Kindern im Alter von 1 bis 9 Jahren zeigten eine Verbindung von höherer Calciumzufuhr der Mutter während der Schwangerschaft und eines verminderten systolischen Blutdrucks der Kinder, im Mittel um 1,92 mm Hg. Eine große randomisierte Studie fand dazu eine klinisch und statistisch signifikante Verminderung der Häufigkeit von Hypertonien bei 7-jährigen Kindern (RR = 0,59).
Die Autoren folgern, dass Zusammenhänge zwischen mütterlicher Calciumzufuhr in der Schwangerschaft und dem Blutdruck der Kinder bestehen, jedoch seien weitere Untersuchungen dazu notwendig. Wegen der ausgeprägten gesundheitlichen Auswirkungen eines Bluthochdrucks im späteren Leben und der relativ einfachen und kostengünstigen Maßnahme, wie sie eine Calciumgabe darstellt, scheint dieser Ansatz viel versprechend.

 

Thomas M, Weisman SM.
Calcium supplementation during pregnancy and lactation: effects on the mother and the fetus.
Am J Obstet Gynecol. 2006 Apr;194(4):937-45. Review.

 

Diese Übersichtsarbeit richtet das Hauptaugenmerk auf den Knochenstoffwechsel: Bei ungenügender Calciumzufuhr während der Schwangerschaft finden sich in Untersuchungen der Knochendichte häufig verminderte Werte, mit einer erhöhten Knochenresorption vor allem im dritten Trimester und während der Stillzeit. Daher raten Studien einheitlich zu einer erhöhten Calciumzufuhr, um die mütterlichen Calciumspeicher aufzufüllen. Dies kann auch im Rahmen der normalen Ernährung geschehen, ohne zusätzliche Supplemente, mit  Milchprodukten, grünem Blattgemüse oder calciumreichen Wässern. Da bei vielen Frauen während der Schwangerschaft Sodbrennen auftritt, sind in diesem Fall Antazida auf Calciumbasis ideal zur Behandlung und schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe.
Und schließlich weisen die Autoren darauf hin, dass auch der Fetus von einer unzureichenden Calciumzufuhr betroffen ist bzw. dass umgekehrt nur eine ausreichende Zufuhr der Mutter die Knochengesundheit des Kindes gewährleistet.

 

Villar J, Belizán JM.
Same nutrient, different hypotheses: disparities in trials of calcium supplementation during pregnancy.
Am J Clin Nutr. 2000 May;71(5 Suppl):1375S-9S. Review.

 

Diese Arbeit greift nochmals die Studien der Cochrane-Reviews auf und stratifiziert die Teilnehmerinnen gemäß ihrer Calciumaufnahme vor Studienbeginn in zwei Gruppen: durchschnittliche Calciumzufuhr von weniger als 900 mg oder 900 mg und mehr.
Auf Grundlage von fünf randomisierten kontrollierten Studien konnte eine Calciumsupplementation vor allem bei denjenigen Frauen das Risiko für die Entwicklung eines Bluthochdrucks mindern, die vor der Schwangerschaft weniger als 900 mg Calcium zu sich genommen hatten (relatives Risiko: 0,49). Bei ausreichender Calciumzufuhr zu Beginn lag das relative Risiko für Bluthochdruck bei Supplementation im Vergleich zu Placebo dagegen bei 0,90. Eine ähnliche Tendenz gilt für das Risiko einer Präeklampsie: Für Frauen mit anfänglich niedriger Calciumzufuhr betrug das relative Risiko unter Supplementation im Vergleich zu Placebo 0,32, bei Frauen mit adäquater Calciumzufuhr plus Supplement im Vergleich zu Placebo RR 0,86.
Dementsprechend kommen die Autoren zu dem Schluss, dass eine Calciumsupplementation zusätzlich zur Ernährung vor allem für Frauen mit unzureichender Calciumzufuhr eine vielversprechende Präventionsstrategie i.S. Bluthochdruck ist.

 

Bucher HC, Guyatt GH, Cook RJ, Hatala R, Cook DJ, Lang JD, Hunt D.
Effect of calcium supplementation on pregnancy-induced hypertension and preeclampsia: a meta-analysis of randomized controlled trials.
JAMA. 1996 Apr 10;275(14):1113-7. Erratum in: JAMA 1996 Nov 6;276(17):1388.

 

Die Autoren überprüften die Wirkung einer Calciumsupplementation während der Schwangerschaft auf Blutdruck und Präeklampsie für den Zeitraum von 1966 bis Mai 1994 anhand von 14 randomisierten Studien mit 2459 Frauen. Die gepoolten Daten zeigten eine Verminderung des systolischen Blutdrucks um 5,40 mm Hg (p < 0,001) und des diastolischen Blutdrucks um 3,44 mm Hg (p < 0,001). Die Odds Ratio für eine Präeklampsie betrug bei Frauen mit Calciumsupplementation im Vergleich zu Placebo 0,38. Die Autoren folgern, dass eine Calciumsupplementation während der Schwangerschaft zu einer positiven Blutdrucksenkung und damit einhergehend zu einem verminderten  Präeklampsie-Risiko führt.