Aus Forschung & Wissenschaft

Magnesium

 

Onkologie

 

Krebserkrankungen spielen eine große Rolle bei Morbidität und Mortalität,
wirksame und einfache Präventionsmöglichkeiten sind daher von besonderem
Interesse.
In diesem Zusammenhang hat eine Reihe von Studien bei Malignomen
verschiedener Organsysteme gezeigt, dass Magnesium mit einer geringeren
Krebshäufigkeit assoziiert sein könnte. 

 

Dibaba D, Xun P, Yokota K, White E, He K
Magnesium intake and incidence of pancreatic cancer: the VITamins and Lifestyle study
Br J Cancer. 2015 Nov 10

 


In dieser Studie werden die Daten von 66806 Menschen, die in der VITamins And Lifestyle (VITAL) - Studie in den USA teilnahmen, bezüglich des Zusammenhangs zwischen der Magnesiumaufnahme und dem Auftreten von Bauchspeicheldrüsenkrebs ausgewertet. Die Teilnehmer wurden nach ihrer Magnesiumaufnahme in drei Gruppen eingeteilt: ( 1) > 100 %, 2) 75 - 99 % und 3) < 75 % der empfohlenen Tagesdosis) und durchschnittlich über 6,8 Jahre beobachtet.
Verglichen mit den Teilnehmern, die die empfohlene Tagesdosis Magnesium aufnahmen, hatten die Teilnehmer der Gruppe 3 ein signifikantes, um 76 % erhöhtes Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs (HR = 1,76 (1,04 - 2,96)). 100 mg Magnesium pro Tag weniger gingen einher mit einem um 24 % erhöhten Auftreten von Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Tatsächlich waren die Ergebnisse bei den Teilnehmern, die keine Magnesiumsupplemente einnahmen, nicht signifikant. Bei den Teilnehmern, die Supplemente einnahmen war das Risiko für Gruppe 3, an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken, um 113 % höher, als in Gruppe 1. Dieser Zusammenhang war unabhängig von Alter, Geschlecht und BMI.
Die Autoren vermuten, dass eine ausreichende Magnesiumaufnahme bei der Prävention von Bauchspeicheldrüsenkrebs von Vorteil sein könnte.

 

 

Gorczyca AM, He K, Xun P, Margolis KL, Wallace JP, Lane D, Thomson C, Ho GY, Shikany JM, Luo J
Association between magnesium intake and risk of colorectal cancer among postmenopausal women
Cancer Causes Control. 2015 Sep 21

 

Der Zusammenhang zwischen der Magnesiumaufnahme mit der Nahrung und dem Auftreten von Dickdarmkrebs bei gesunden, postmenopausalen Frauen wurde in einer sehr großen prospektiven Observationsstudie der WHI (Women´s Health Initiative) untersucht.
2381 der 140601 teilnehmenden Frauen erkrankten während des Beobachtungszeitraums von 13 Jahren an Dickdarmkrebs. Im Vergleich zu Frauen im Quintil mit der niedrigsten Magnesiumaufnahme (< 198 mg/Tag) hatten Frauen im Quintil mit der höchsten Magnesiumaufnahme (> 394 mg/Tag) ein um 21 % geringeres Risiko für Dick- und Enddarmkrebs (HR = 0,79; 95 % CI = 0,67 - 0,94; ptrend <0,0001). Für Dickdarmkrebs allein war das Risiko um 20 % geringer (HR = 0,8; 95 % CI = 0,66 - 0,97; ptrend < 0,0001) für Enddarmkrebs alleine um 24 % geringer (HR = 0,76; 95 % CI = 0,51 - 1,13; ptrend < 0,001).
Die Autoren vermuten, dass der Verlust von Magnesium aus Knochen und Weichgewebe bei älter werdenden Frauen eine Rolle bei der Entwicklung von Dickdarmkrebs spielen könnte.
Die Ergebnisse dieser Studie unterstützen die Hypothese, dass eine Magnesiumaufnahme von
~ 400 mg/ Tag mit einem geringeren Auftreten von Dickdarmkrebs
einhergeht.


 

Wark PA, Lau R, Norat T, Kampman E

Magnesium intake and colorectal tumor risk: a case-control study and meta-analysis

Am J Clin Nutr. 2012 Sep;96(3):622-31

 

In diesem Artikel werden 2 Studien zur Magnesiumaufnahme und dem Risiko von kolorektalen Tumoren vorgestellt, eine Fall-Kontroll-Studie und eine Metaanalyse.

In der Fall-Kontroll-Studie wurden 768 Patienten mit Darmpolypen (kolorektalem Adenom) mit 709 Patienten ohne Darmpolypen verglichen. Die Mg-Aufnahme des letzten Jahres wurde über Fragebögen zur Ernährung erfasst. Anschließend erhielten 92 % der Patienten mit bereits bekannten Darmpolypen und 85 % der Kontrollpatienten ohne Darmpolypen eine Darmspiegelung. Die bei dieser Darmspiegelung gefundenen Darmpolypen wurden erfasst.
Die Patienten wurden entsprechend der Menge der Magnesium-Aufnahme über die Nahrung 3 Gruppen zugeordnet (< 316 mg pro Tag, 316-359 mg pro Tag und > 359 mg pro Tag).
In der Gruppe mit der höchsten Magnesium-Aufnahme war das Risiko für die nachfolgend in der Darmspiegelung gefundenen Darmpolypen signifikant am niedrigsten (Odds Ratio 0,73; p = 0,05). Dieses Ergebnis traf insbesondere für die Untergruppen der über 55-Jährigen (Odds Ratio 0,37; p = 0,004) und der Übergewichtigen mit einem BMI > 25 (Odds Ratio = 0,64; p = 0,025) zu.
Pro 100 mg/Tag mehr an Magnesium-Aufnahme nahm das Risiko für Darmpolypen um ca. 20 % ab, dieses Ergebnis erreichte allerdings statistisch nicht das Signifikanz-Niveau von
p < 0,05. Das Verhältnis von Calcium zu Magnesium in der Nahrung hatte keinen Einfluss auf das Ergebnis.

Die Meta-Analyse umfasste 3 Fall-Kontroll-Studien zu Darmpolypen und 6 prospektive Kohorten-Studien zu Darmkrebs. Die Analyse der 6 prospektiven Kohorten-Studien ergab ein niedrigeres Darmkrebs-Risiko bei höherer Magnesium-Aufnahme und zwar um ca. 10 % (RR 0,9; 95 % CI 0,83 - 0,99) pro 100 mg Magnesium pro Tag.

Beide Studien geben Hinweise, dass mit einer erhöhten Aufnahme von Magnesium aus der Nahrung das Risiko für Darmtumore, und zwar sowohl für Darmkrebs als auch für Darmpolypen, gemindert werden kann.

 

 

Wolf FI, Maier JA, Nasulewicz A, Feillet-Coudray C, Simonacci M, Mazur A, Cittadini A.
Magnesium and neoplasia: from carcinogenesis to tumor growth and progression or treatment.
Arch Biochem Biophys. 2007 Feb 1;458(1):24-32. Epub 2006 Mar 9. Review.

 

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Zusammenhang Magnesium - maligne Tumore auf zytologisch-molekularer Ebene.
Magnesium ist an einer Reihe von Reaktionen im Rahmen der Zellteilung und Zelldifferenzierung, der Angiogenese und der Apoptose von Bedeutung beteiligt. Veränderte Magnesiumkonzentrationen können Reaktionen der Immunzellen und inflammatorischen Zellen beeinflussen. Ebenso plausibel scheint die Beteiligung von Magnesium an den vielen Schritten, die letztlich zu Tumorentstehung führen. In-vitro- und In-vivo-Daten zeigen diese Beteiligung: So gibt es Zusammenhänge von Magnesiummangel und neoplastischer Transformation, Tumorwachstum und Tumorprogression bis hin zur pharmakologischen Behandlung.

 

Folsom AR, Hong CP.
Magnesium intake and reduced risk of colon cancer in a prospective study of women.
Am J Epidemiol. 2006 Feb 1;163(3):232-5. Epub 2005 Nov 30.

 

Diese Längsschnittstudie prüft einen Zusammenhang von Magnesiumzufuhr und Häufigkeit von kolorektalen Karzinomen an einer Kohorte von 35.196 Frauen in Iowa im Alter von 55 bis 69 Jahre (Studienbeginn 1986). Die Zufuhr von Magnesium und anderen Nährstoffen wurde mittels Fragbögen zu Studienbeginn beurteilt. Nach einer Nachbeobachtungszeit über 17 Jahre fand sich bei 1112 Frauen ein kolorektales Karzinom. Nach Adjustierung für Alter, Energiezufuhr, andere Nährstoffe und Risikofaktoren für kolorektale Karzinome betrugen die Hazard Ratios für ein kolorektales Karzinom über die Quintile der Magnesiumzufuhr (von niedriger zu hoher Zufuhr) 1,00 (Magnesiumzufuhr unter 245 mg/Tag), 0,96 (245-276 mg pro Tag), 0,83 (277-306 mg pro Tag), 0,87 (307-351 mg pro Tag) und 0,80 (mehr als 351 mg pro Tag) (p für den Trend = 0,06). Dabei war diese Assoziation für Rektumkarzinome äußerst gering; betrachtete man aber nur die Kolonkarzinome, lagen die Hazard Ratios für die genannten Quintile bei 1,00, 1,00, 0,88, 0,85 und 0,77 (p für den Trend = 0,04).
Diese Befunde liefern nach Ansicht der Autoren weiter Hinweise, dass eine magnesiumreiche Diät das Auftreten von Kolonkarzinomen bei Frauen vermindern könnte. Wenn diese Befunde sich in weiteren Observationsstudien bestätigen, sollte differenziert werden, um zu prüfen, ob speziell Magnesium oder auch andere Aspekte der beteiligten Lebensmittel zu dem Vorteil beitragen.

 

Larsson SC, Bergkvist L, Wolk A.
Magnesium intake in relation to risk of colorectal cancer in women.
JAMA. 2005 Jan 5;293(1):86-9.

 

Diese Arbeit untersuchte bei Teilnehmerinnen der prospektiven Swedish Mammography Cohort mit 61.433 Frauen im Alter von 40 bis 75 Jahre (Beginn zwischen 1987 und 1990) den Zusammenhang von Magnesiumzufuhr und Auftreten eines kolorektalen Karzinoms.
Die Ergebnisse erbrachten während einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 14,8 Jahren (911.042 Personenjahre) 805 neue Fälle eines kolorektalen Karzinoms. Es fand sich eine inverse Assoziation von Magnesiumzufuhr und Risiko für ein kolorektales Karzinom (p für den Trend: 0,006). Im Vergleich zu Frauen im niedrigsten Quintil der Magnesiumzufuhr (im Median 198 mg pro Tag) betrug das relative Risiko 0,59 für die Frauen im höchsten Quintil (im Median 268 mg). Diese Assoziation fand sich sowohl für Kolonkarzinome (RR 0,66) als auch für Rektumkarzinome (RR 0,45). Die Autoren ziehen den Schluss, dass eine hohe Magnesiumzufuhr möglicherweise vor einem kolorektalen Karzinom schützen kann.

 

Anastassopoulou J, Theophanides T.
Magnesium-DNA interactions and the possible relation of magnesium to carcinogenesis. Irradiation and free radicals.
Crit Rev Oncol Hematol. 2002 Apr;42(1):79-91. Review.

 

Diese Übersichtsarbeit diskutiert die molekularen Grundlagen der Magnesiumwirkung bei Tumorentstehung, Tumorbestrahlung und Tumor-Chemotherapie. Insgesamt zeigen die Autoren auf, dass die Interaktionen von DNA und Magnesium in diesem Zusammenhang eine wesentliche Rolle spielen. Dabei ist mehr aber nicht unbedingt besser. In physiologischen Konzentrationen stabilisiert Magnesium die DNA-Struktur und macht sie so weniger anfällig für Mutagene und andere Substanzen, die zu einer Tumorentstehung führen könnten. Darüber hinaus entsteht ein Schutzeffekt gegenüber ionisierender Bestrahlung und antineoplastischen Zytostatika
In höheren Konzentrationen dagegen kommt es zur Entspiralisierung der DNA, was zu deren Destabilisierung, DNA-Brüchen und fehlerhafter Reduplikation führen kann - mit der Folge einer Tumorentstehung.
Es ist also, so die Autoren, im Zusammenhang mit malignen Tumoren von Bedeutung, dass der Magnesiumspiegel im Normbereich liegt - sowohl Abweichungen nach unten als auch nach oben können schwerwiegende Störungen verursachen.

 

Wolk A, Gridley G, Niwa S, Lindblad P, McCredie M, Mellemgaard A, Mandel JS, Wahrendorf J, McLaughlin JK, Adami HO.
International renal cell cancer study. VII. Role of diet.
Int J Cancer. 1996 Jan 3;65(1):67-73.

 

Diese multizentrische Fall-Kontroll-Studie untersuchte die Rolle der Ernährung bei der Ätiologie des Nierenzellkarzinoms. Insgesamt 1185 neue, bestätigte Karzinomfälle (698 Männer, 487 Frauen) und 1526 gematchte Kontrollen (915 Männer, 611 Frauen) wurden in die Auswertung eingeschlossen. Eine statistisch signifikante positive Korrelation fand sich für die Gesamtenergiezufuhr (RR = 1,7 für das höchste versus das niedrigste Quartil; p für den Trend < 0,00001), während Protein- und Fettzufuhr keinen Einfluss zeigten. Der Verzehr von gebratenem Fleisch ging mit einem erhöhten Risiko einher, während Obst und Gemüse sich als protektiv erwiesen, mit dem größten Schutzeffekt im obersten Quartil des Verzehrs von Orangen und dunkelgrünem Gemüse, während Vitamin C und Betakarotin keine solche Assoziation zeigten. Ein erhöhtes Risiko fand sich bei niedriger Zufuhr von Vitamin E und Magnesium: Hier trugen die Probanden mit einer Magnesiumzufuhr im untersten Dezil ein 1,6faches Risiko im Vergleich zu Probanden mit einer Magnesiumzufuhr entsprechend der 25. Perzentile oder darüber.
Die Autoren schließen also auf einen möglichen protektiven Effekt der Ernährung bei der Entwicklung eines Nierenzellkarzinoms, wobei die anscheinende positive Korrelation von Gesamtenergiezufuhr und Nierenzellkarzinom in einer prospektiven Kohortenstudie weiter untersucht werden muss