Aus Forschung & Wissenschaft

Magnesium

 

Lunge

Asthma betrifft in den westlichen Industrieländern bis zu 10 % aller Kinder und bis zu 5 % aller Erwachsenen. Daher ist eine möglichst wenig invasive Behandlung mit positiver Kosten-Nutzen-Relation von allgemeinem Interesse. Magnesium hat hier in einer Reihe von Untersuchungen günstige Ergebnisse erbracht.

 

Gontijo-Amaral C, Guimarães EV, Camargos P

Oral magnesium supplementation in children with cystic fibrosis improves clinical and functional variables: a double-blind, randomized, placebo-controlled crossover trial

Am J Clin Nutr. 2012 Jul;96(1):50-6. doi: 10.3945/ajcn.112.034207. Epub 2012 May 30

 

Diese randomisierte, doppelblinde Crossover-Studie an 44 männlichen Patienten, im Alter von 7-19 Jahren, die eine konventionelle Therapie für cystische Fibrose (CF) erhielten, untersuchte die Wirkung einer zusätzlichen Gabe von 300 mg Magnesium pro Tag.
Die Patienten erhielten 8 Wochen lang 300 mg Magnesium-Glycinat oder Placebo, dann folgten 4 Wochen Auswaschphase ohne Medikation, dann ein crossover, d.h. die Patienten mit Placebo erhielten nun 8 Wochen Magnesium und umgekehrt. Da bei Patienten mit Mukoviszidose oft Resorptionsstörungen im Darm bestehen und sie oft Medikamente einnehmen, die ebenfalls die Magnesium-Aufnahme hemmen, ist eine Magnesium-Unterversorgung in dieser Gruppe anzunehmen.
Die Magnesium-Gaben in dieser Studie wurden gut aufgenommen, was sich an einem Mg-Anstieg im Urin unter Mg-Gabe zeigte (Erhöhung um 36 mg pro Tag gegenüber 0,7 mg pro Tag unter Placebo). Magnesium besserte klar und signifikant den klinischen Befund der Patienten gemessen im Shwachman-Kulczycki-Score = SK-Score. Dieser Score umfasst die allgemeine Aktivität, körperliche Untersuchung, Ernährung und Röntgen-Befunde.
Der SK-Score, der bis max. 100 Punkte hat, verbesserte sich unter Mg um 4,5 Punkte, und unter Placebo fand sich eine Verschlechterung um 1,3 Punkte (p < 0,001).
Des Weiteren verbesserte sich die Atemmuskulatur gemessen am maximalen Druck, der bei Einatmung (maximal inspiratory pressure = MIP) und Ausatmung (maximal espiratory pressure = MEP) aufgebaut werden konnte.
Der MEP besserte sich unter Magnesium um 12 % gegenüber 0,8 % unter Placebo (p < 0,001)
Der MIP besserte sich unter Magnesium um 11 % gegenüber 0,5% unter Placebo (p < 0,001). Die Autoren folgern, dass Magnesium den klinischen Befund (SK-Score) und die Atemmuskulatur bei pädiatrischen Patienten mit Cystischer Fibrose bessert.

 

 

Das SK, Haldar AK, Ghosh I et al.

Serum magnesium and stable asthma: Is there a link?

Lung India. 2010 Oct;27(4):205-8.
 

Diese prospektive klinische Studie in einer pneumologischen  Ambulanz in Kalkutta rekrutierte über 4 Monate 50 konsekutiv behandelte Patienten mit stabilem Asthma (Beurteilung gemäß den Spirometrie-Ergebnissen). Bei den Teilnehmern wurden die Serummagnesiumkonzentrationen bestimmt und verglichen mit den Konzentrationen von 45 Kontrollpersonen ohne Asthma.
Von den 50 Asthmapatienten wiesen 14 eine Hypomagnesiämie auf, in der Kontrollgruppe lagen die Magnesiumkonzentrationen sämtlich im Normbereich. Dabei fanden sich statistisch signifikante Zusammenhänge der Hypomagnesiämie mit Tachypnoe, Vorliegen eines schweren Asthmas (gemäß den alten GINA-Kriterien), Einsatz von langwirksamen Beta-Mimetika, inhalativen Corticosteroiden oder Theophyllin, Einsatz von drei oder mehr Medikamenten sowie früheren Asthma-Exazerbationen, nicht aber mit Tachykardie sowie dem Einsatz von kurz wirksamen Beta-Mimetika oder Montelukast.
Insgesamt sehen
die Autoren einen Zusammenhang zwischen Magnesiummangel und Asthmasymptomatik, der nach ihrer Ansicht weiter untersucht werden sollte.

 

Bede O, Nagy D, Surányi A, Horváth I, Szlávik M, Gyurkovits K.
Effects of magnesium supplementation on the glutathione redox system in atopic asthmatic children.
Inflamm Res. 2008 Jun;57(6):279-86.

 

Diese randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie untersuchte die Wirkungen einer 1-wöchigen oralen Magnesiumsupplementation auf das Redoxsystem der Erythrozyten bei 40 Kindern (24 Jungen, 16 Mädchen) im Alter von 4 bis 16 Jahren mit stabilem, mäßig ausgeprägtem Asthma. Bestimmt wurden oxidiertes (GSSG) und reduziertes (GSH) Glutathion, Oxyhämoglobin, Methämoglobin (metHb), Hemichrom und Bilirubin vor und nach der Behandlung.
Die Ergebnisse zeigten bei den 24 mit Magnesium behandelten Kindern (200 mg pro Tag für Kinder bis 7. Lebensjahr, 290 mg pro Tag bei älteren Kindern) eine signifikant höhere GSH-Konzentration als bei den 16 Kindern der Placebogruppe.
Die Autoren ziehen den Schluss, dass Magnesium in der verabreichten Dosis eine antioxidative Wirkung ausübt und das Glutathion-Redoxsystem positiv beeinflusst. Betrachtet man Asthma als Zustand mit erhöhtem oxidativem Stress, könnte dies die molekulare Grundlage für eine positive Wirkung von Magnesium bei Asthma darstellen.

 

Gontijo-Amaral C, Ribeiro MA, Gontijo LS, Condino-Neto A, Ribeiro JD.
Oral magnesium supplementation in asthmatic children: a double-blind randomized placebo-controlled trial.
Eur J Clin Nutr. 2007 Jan;61(1):54-60. Epub 2006 Jun 21.

Diese Untersuchung hat die Auswirkungen einer zusätzlichen Magnesiumgabe bei Patienten mit bekanntem allergischem Asthma untersucht. 37 Kinder im Alter von 7 bis 19 Jahren mit klinisch bekanntem Asthma und allergischen Hautreaktionen wurden in die Studie aufgenommen und in zwei Gruppen aufgeteilt: Gruppe 1 (18 Patienten) erhielt 300 mg Magnesium pro Tag als Nahrungsergänzung über 2 Monate. Gruppe 2 (19 Patienten) erhielt Placebo. Darüber hinaus wurde bei allen Probanden die bestehende inhalative Corticoidtherapie fortgeführt (Fluticason 250 Mikrogramm zweimal täglich). Primärer Wirksamkeitsparameter war das Ergebnis im Metacholin-Provokationstest, außerdem wurden subjektive Asthmasymptomatik, allergisch ausgelöste Hautreaktionen sowie die objektive Lungenfunktion geprüft.
Die Ergebnisse zeigten, dass nach 2 Monaten in der Magnesiumgruppe signifikant höhere Konzentrationen von Metacholin notwendig waren, um die gleiche bronchiale Obstruktion zu erreichen wie vor der Magnesiumgabe, im Gegensatz zu den Patienten unter Placebo. Bei den Hauttests auf bekannte Allergene fanden sich nach Magnesium signifikant geringere Reaktionen als vorher bzw. als in der Placebogruppe. Es traten statistisch signifikant weniger Asthma-Exazerbationen auf, und es musste seltener ein Notfallmedikament (Beta-2-Mimetikum) eingesetzt werden als unter Placebo. Für objektivierbare Lungenfunktionsparameter (FEV1, Vitalkapazität) fanden sich allerdings keine signifikanten Unterschiede, möglicherweise, so die Autoren, aufgrund der fortgesetzten Corticoidinhalation.
Eine orale Magnesiumsupplementation kann also eine bessere Symptomkontrolle bei Kindern mit Asthma erreichen und demnach eine sinnvolle adjuvante Therapie darstellen.

 

Bede O, Surányi A, Pintér K, Szlávik M, Gyurkovits K.
Urinary magnesium excretion in asthmatic children receiving magnesium supplementation: a randomized, placebo-controlled, double-blind study.
Magnes Res. 2003 Dec;16(4):262-70.

 

89 Kinder im Alter von 4 bis 16 Jahren mit leichtem bis mäßigem anhaltendem Asthma wurden in dieser randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten prospektiven Studie zur Magnesiumausscheidung untersucht. Jedes Kind erhielt über 12 Wochen täglich eine Kapsel Mg-Citrat pro Tag (200 mg bei Kindern bis zum 7. Lebensjahr, 290 mg bei älteren Kindern) oder Placebo. Die Konzentrationen von Gesamt- und freiem Magnesium im Serum und Urin wurden zu Beginn und nach 12 Wochen untersucht. Alle 4 Wochen wurden die Eltern zur Häufigkeit eines zusätzlichen Beta-2-Mimetikum-Einsatzes befragt.
Die Ergebnisse zeigten unter Placebo einen signifikant höheren Magnesiumverlust über den Urin (6,81 versus 2,79 mmol pro Tag, p = 0,01) im Vergleich zur Magnesiumgabe. Der Einsatz des Beta-2-Mimetikums war nach 8 bzw. 12 Wochen in der Placebogruppe bei mäßigem Asthma signifikant häufiger (im Mittel 31,1 versus 29,5 Hübe pro Patient pro 4 Wochen; p < 0,05, bzw. 31,0 versus 29,3 Hübe pro Patient pro 4 Wochen; p < 0,05). Eine Langzeit-Magnesiumsupplementation kann nach Ansicht der Autoren also einen übermäßigen Magnesiumverlust bei Kindern mit leichtem bis mäßigem Asthma verhindern und sollte als Begleitmedikation erwogen werden.

 

Hill J, Micklewright A, Lewis S, Britton J.
Investigation of the effect of short-term change in dietary magnesium intake in asthma.
Eur Respir J. 1997 Oct;10(10):2225-9.

 

Diese randomisierte doppelblinde, Placebo-kontrollierte Crossover-Studie sollte untersuchen, ob kurzzeitige Änderungen der Magnesiumzufuhr mit der Ernährung eine Wirkung auf die klinische Kontrolle bei Asthmaerkrankung haben. 17 Probanden mit Asthma erhielten über zweimal 3 Wochen eine magnesiumarme Diät, vorangegangen und gefolgt von einer 1-wöchigen Run-in- bzw. Washout-Phase mit Einnahme von Placebo oder Magnesium (400 mg pro Tag). Zu Beginn und am Ende jeder Phase wurden geprüft: forcierte Einsekundenkapazität (FEV1), die zur Provokation einer bronchialen Hyperreagibilität notwendige Dosis von Metacholin (Verminderung der FEV1 um 20 % gegenüber dem Ausgangswert); Veränderungen im exspiratorischen Spitzenfluss, Verwendung von Bronchodilatatoren und Symptomscores wurden während der gesamten Phase bestimmt.
Die Ergebnisse zeigten unter der Magnesiumbehandlung eine signifikant geringere Asthmasymptomatik, die mediane Differenz gegenüber Placebo lag bei 3,8 Symptompunkten pro Woche (p = 0,02). FEV1, Peakflow, Metacholindosis und Bronchodilatatoreinsatz änderten sich dagegen nicht signifikant während der Magnesiumsupplementation, wenn auch tendenziell eine etwas höhere FEV1 gesehen wurde. Magnesiumzufuhr kann also schon nach kurzer Zeit die Symptomatik bei Asthma bessern, ohne dass objektive Parameter dies widerspiegeln, so die Autoren.