Forschung und WissenschaftMagnesiumGehirn und Sinnesorgane

 

Aus Forschung & Wissenschaft

Magnesium

 

Gehirn und Sinnesorgane

 

Kundu D, Osta M, Mandal T, Bandyopadhyay U, Ray D, Gautam D.
Serum magnesium levels in patients with diabetic retinopathy
J Nat Sci Biol Med. 2013 Jan;4(1):113-6


Diese nicht randomisierte kontrollierte Studie aus Indien beschäftigt sich mit der Frage nach Indikatoren für die diabetische Retinopathie. Bei 60 Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 (mit bzw. ohne Retinopathie) und einer Kontrollgruppe wurden Serum-Magnesium-Spiegel, glykosyliertes Hämoglobin, Blutzucker (nüchtern und postprandial) sowie Gesamt-Eiweiß im Urin bestimmt. Es zeigte sich, dass die Patienten mit Retinopathie die niedrigsten Serum-Mg-Spiegel (1,38mg/dl) hatten, gefolgt von den Patienten ohne Retinopathie (2,02mg/dl) und den gesunden Kontrollpersonen (2,62mg/dl). Patienten mit Retinopathie hatten auch die höchsten Blutzuckerwerte, das höchste glykosylierte Hämoglobin und die höchste Gesamtproteinausscheidung im Urin. Statistisch signifikant war allerdings nur der Vergleich der Patientengruppen mit der Kontrollgruppe, aber nicht die beiden Patientengruppen untereinander.
Weiterhin gab es eine signifikante negative Korrelation zwischen Serum-Mg-Spiegel und Nüchternblutzucker sowie zwischen Serum-Mg-Spiegel und glykosyliertem Hämoglobin bei Patienten mit diabetischer Retinopathie.
Die Autoren schlussfolgern, dass niedrige Serum-Magnesium-Spiegel und Ausscheidung von Albumin eine Störung der Blutzuckerregulation anzeigen und dass diese Parameter als Indikatoren für die mögliche Entwicklung einer Retinopathie bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ2 dienen können.

 

Aydin B, Onol M, Hondur A, Kaya MG et al.

The effect of oral magnesium therapy on visual field and ocular blood flow in normotensive glaucoma.

Eur J Ophthalmol. 2010 Jan-Feb;20(1):131-5.


Die kontrollierte Interventionsstudie untersuchte die Wirkung einer Magnesiumgabe auf den okulären Blutfluss und Perimetrieergebnisse bei insgesamt 30 Patienten mit Normaldruck-Glaukom.
15 Patienten erhielten oral 300 mg Magnesiumcitrat über 1 Monat (Studiengruppe), 15 weitere 15 Patienten erhielten keine Therapie und dienten als Kontrollgruppe. Bestimmt wurden die Magnesiumkonzentration im Serum, Gesichtsfeld und Blutfluss gemäß Farb-Doppler in den okulären Gefäßen vor Studienbeginn und nach 1 Monat.
In der Studiengruppe fand sich nach 1 Monat ein signifikant besseres
Gesichtsfeld in der Perimetrie im Vergleich zu den Ausgangswerten (p = 0,027) und gegenüber der Kontrollgruppe (p 0 0,04). Die Farb-Doppler-Messung dagegen änderte sich nicht signifikant nach Magnesiumgabe.
Eine orale Magnesiumgabe kann nach Ansicht der Autoren also bei Normaldruck-Glaukom das Gesichtsfeld verbessern; diese Besserung scheint aber nicht durch einen erhöhten Blutfluss in den großen okulären Gefäßen zustande zu kommen. Andere mögliche Mechanismen - wie eine Verbesserung des Blutflusses in den kleinen, dem Doppler nicht zugänglichen Gefäßen - müssten weiter untersucht werden.

 

Abaamrane L, Raffin F, Gal M, Avan P, Sendowski I.
Long-term administration of magnesium after acoustic trauma caused by gunshot noise in guinea pigs.
Hear Res. 2009 Jan;247(2):137-45. Epub 2008 Dec 3.

 

Diese Studie untersuchte die Wirksamkeit einer Langzeittherapie mit Magnesium über 1 Monat im Vergleich zu einer 7-tägigen Behandlung mit Magnesium, zur Gabe von Methylprednisolon (der Standardtherapie) oder Placebo (NaCl) auf den Hörverlust nach einem Knalltrauma. Meerschweinchen wurden einem Impulslärm ausgesetzt (drei Gewehrschüsse mit einem maximalen Schalldruckpegel von 170 dB). 1 Stunde nach dem Lärmtrauma erhielten die Tiere eine der vier Behandlungen. Die Hörfunktion wurde mittels auditorischer Hirnstammpotenziale (BERA) und Messung der otoakustischen Emissionen (DPOAE) über 3 Monate nach dem Trauma untersucht. Ergänzend erfolgte eine histologische Beurteilung.
Die Ergebnisse zeigten, dass eine 1-monatige Behandlung mit Magnesium am wirksamsten war, was die Schädigung der Haarzellen betraf. Methylprednisolon beschleunigte zwar die Erholung, aber die Wirksamkeit war nur mäßig. Vermutlich, so die Autoren, wirkt Magnesium auf die späten metabolischen Prozesse, die nach einem Impulslärmtrauma auftreten. Daran können verschiedene Mechanismen beteiligt sein: eine calciumantagonistische Wirkung des Magnesiums, eine antiischämische Wirkung oder eine Blockade der NMDA-Kanäle. Unabhängig vom Mechanismus kann eine 1-monatige Behandlung mit Magnesium den Hörverlust durch ein Knalltraum deutlich vermindern. Magnesium hat den Vorteil, dass es auch beim Menschen sicher einsetzbar wäre.

 

Cevette MJ, Vormann J, Franz K.
Magnesium and hearing.
J Am Acad Audiol. 2003 May-Jun;14(4):202-12. Review.

 

Diese Übersichtarbeit trägt den derzeitigen (2003) Kenntnisstand zur Funktion von Magnesium beim Hörprozess zusammen. In verschiedenen Arbeiten wurde gezeigt, dass ein Magnesiummangel die Anfälligkeit gegenüber Lärmschädigung, medikamentöser Ototoxizität und akustischer Übererregbarkeit erhöht. Dabei ist trotz Fortschritten beim Verständnis der cochlearen und Nervenfunktion die neurochemische und pharmakologische Funktion von Magnesium weiterhin nicht gesichert. Vorgeschlagen wurde, dass der Magnesiummangel zu einer erhöhten Permeabilität der Calciumkanäle in den Haarzellen des Innenohrs beiträgt, mit einem daraus resultierenden verstärkten Influx von Calcium, einer erhöhten Freisetzung von Glutamat und dementsprechend einer Überstimulation der NMDA-Rezeptoren des Hörnerven.

 

Durlach J, Bac P, Durlach V, Bara M, Guiet-Bara A.
Neurotic, neuromuscular and autonomic nervous form of magnesium imbalance.
Magnes Res. 1997 Jun;10(2):169-95. Review. English, French

 

Diese Übersichtsarbeit beschäftigt sich mit Magnesiummangel im Nervensystem. Durlach und Mitarbeiter zeigen Ursachen, Symptomatik, diagnostische Maßnahmen und therapeutische Möglichkeiten auf. Sie betonen aber auch, dass ein Magnesiummangel mit einer Vielzahl von Symptomen einhergeht, die man möglicherweise nicht sofort mit einem Magnesiumdefizit in Verbindung bringen würde, so etwa Hyperventilationszustände oder das Chronic Fatigue Syndrome. Hier sollte, so die Autoren, immer der Magnesiumstatus bestimmt und bei einem Mangel dessen Ursache herausgefunden werden. Danach richtet sich dann die Therapie.
Darüber hinaus könnte nach Ansicht der Arbeitsgruppe ein Magnesiummangel auch an einer Reihe neurodegenerativer Erkrankungen beteiligt sein, wie Alzheimer-Demenz oder Parkinson-Erkrankung. Weitere Studien, so die Autoren, sind hier dringend erforderlich.