Forschung und WissenschaftMagnesiumDepressionen, Angst, Stress

 

Aus Forschung & Wissenschaft

Magnesium

 

Depressionen, Angst, Stress

Insgesamt leiden in Deutschland derzeit etwa 4 Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression - und jeder fünfte Erwachsene erleidet einmal in seinem Leben eine depressive Episode. Die Häufigkeit von Depressionen nimmt dabei seit Jahren immer weiter zu. Depressionen gehören zu den am häufigsten unterschätzten Erkrankungen überhaupt - nicht zuletzt deshalb, weil im alltäglichen Sprachgebrauch der Ausdruck „deprimiert" oft einfach mit traurig gleichgesetzt wird. Eine klinische Depression ist jedoch mehr als nur einfach Niedergeschlagenheit oder Traurigkeit - Betroffene fühlen sich meist antriebslos, haben Konzentrationsstörungen und leiden unter Schuld- oder Angstgefühlen.
Die Ursachen einer Depression sind vielfältig, aber es besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass ein zentralnervöses Ungleichgewicht von Neurotransmittern zugrunde liegt, das wiederum auf einen Mangel an Magnesium oder veränderte Verhältnisse der Magnesium- und Calciumkonzentrationen zueinander zurückzuführen sein könnte. Kommen dann externe Auslöser hinzu, wie beispielsweise starke Belastungen am Arbeitsplatz, Verlust von Freunden oder Angehörigen etc., kann eine depressive Episode offenbar werden.

 

Yary T, Lehto SM, Tolmunen T, Tuomainen TP, Kauhanen J, Voutilainen S, Ruusunen A
Dietary magnesium intake and the incidence of depression: A 20-year follow-up study
J Affect Disord. 2015 Dec 30;193:94-98 

 

Diese Observationsstudie mit einem Follow-up von 20 Jahren untersucht den Zusammenhang zwischen der Magnesiumaufnahme mit der Nahrung und dem Auftreten einer Depression. An der Studie nahmen 2320 finnische Männer zwischen 42 und 61 Jahren teil, die zu Beginn keine depressiven Symptome zeigten. Entsprechend ihrer Magnesiumaufnahme mit der Nahrung wurden Tertile gebildet.
Während des Beobachtungszeitraums traten bei 62 Männern depressive Symptome auf, woraus sich für Teilnehmer aus dem 2. Tertil (414 mg Mg/Tag) ein um 51 % geringeres Risiko zu einer Depression (HR = 0,49; 95 % CI = 0,25 - 0,95) ergab, als für Teilnehmer aus dem 1. Tertil mit der niedrigsten Magnesiumaufnahme (346 mg Mg/Tag). Das Risiko der Teilnehmer aus dem 2. und 3.Tertil (494 mg Mg/Tag) zusammen war im Vergleich zu 1. Tertil um 47 % geringer (HR = 0,53; 95 % CI = 0,29 - 0,95). Diese Studie weist auf einen Zusammenhang zwischen der Magnesiumaufnahme mit der Nahrung und dem Depressionsrisiko hin sowie auf den möglichen schützenden Effekt einer ausreichenden Magnesiumaufnahme.

 

 

Tarleton EK, Littenberg B
Magnesium intake and depression in adults
J Am Board Fam Med. 2015 Mar-Apr;28(2):249-56

 

Diese Querschnittsstudie analysiert, ob es einen Zusammenhang zwischen der Magnesiumaufnahme und Depressionen bei Erwachsenen gibt. Dazu wurden die Daten von 8894 Teilnehmern der NHANES-Studie (National Health and Nutritional Examination Survey, USA), die älter als 20 Jahre waren, ausgewertet. Die Magnesiumaufnahme inklusive der Supplemente wurde mit Hilfe eines 24h-Tagebuchs bestimmt und weniger als 184 mg/Tag als niedrige Magnesiumaufnahme definiert. Im Durchschnitt trat eine Depression bei 23 % der Teilnehmer auf, gehäuft allerdings im Quintil mit der niedrigsten Magnesiumaufnahme (<183 mg/Tag, n = 1681), dort waren es 32 %.
Teilnehmer mit der niedrigsten Magnesiumaufnahme hatten ein signifikantes, um 16 % höheres Risiko depressiv zu sein (RR = 1,16, CI = 1,06-1,30). Die unter 65-jährigen mit niedriger Magnesiumaufnahme hatten sogar ein um 22 % höheres Risiko (RR = 1,22, CI = 1,06 - 1,44).

 

 

Yary T, Aazami S, Soleimannejad K.
Dietary intake of magnesium may modulate depression

Biol Trace Elem Res. 2013 Mar;151(3):324-9 

 

Depressive Symptome kommen bei Studenten häufig vor.
Da Magnesium ein wichtiger Mineralstoff ist, der bei der Funktion von Enzymen, Hormonen und Neurotransmittern eine zentrale Rolle spielt, wurde postuliert, dass ein Magnesium-Mangel zu Depressionen führt. Ziel dieser Querschnittsstudie war es, zu analysieren, inwiefern die Einnahme von Magnesium einen positiven Einfluss auf depressive Symptome hat. Hierzu wurden 402 Studenten mit einem Durchschnittsalter von 32 Jahren aus dem Iran eingeschlossen. Es zeigte sich ein umgekehrt proportionales und signifikantes Verhältnis zwischen Magnesium-Aufnahme und depressiven Symptomen, das auch einer Anpassung nach Alter, Geschlecht, Gewicht, monatlicher Geldausgabe, und Sozialkontakten standhielt.

 

 

Eby GA 3rd, Eby KL.
Magnesium for treatment-resistant depression: a review and hypothesis.
Med Hypotheses. 2010 Apr;74(4):649-60. Epub 2009 Nov 27. Review.

 

Diese Übersichtsarbeit beschäftigt sich mit möglichen Zusammenhängen von Magnesium und therapieresistenten Depressionen (TRD) - 60 % aller klinischen Depressionen werden so eingeschätzt.
Auf zellulärer Ebene führt Magnesiummangel zu einer Öffnung von NMDA-gekoppelten  Calciumkanälen. Der resultierende Calciuminflux in die Zellen verursacht neuronale Schäden und neurologische Funktionsstörungen, die sich als Major-Depression manifestieren könnten. Die Magnesiumkonzentration im Gehirngewebe erwies sich bei therapieresistenten Depressionen als erniedrigt, und im Tierversuch führte die orale Gabe von Magnesium zu Wirkungen, die denen starker Antidepressiva ähnelten. Ein unzureichender Magnesiumgehalt im Gehirn scheint die Serotoninkonzentration zu vermindern, und viele Antidepressiva wirken nachgewiesenermaßen über eine Erhöhung des Gehirnserotonins - Magnesium wäre hier ein natürlicher Wirkstoff zur Erhöhung der Serotoninkonzentration.
Eine randomisierte klinische Studie aus dem Jahr 2008 zeigte, dass Magnesium bei der Behandlung von Depressionen bei Diabetikern ebenso wirksam war wie Imipramin, ohne dessen Nebenwirkungen. In verschiedenen Studienprotokollen konnte die intravenöse und orale Gabe von Magnesium therapieresistente Depressionen sicher und schnell beenden.
Insgesamt kommen die Autoren nach aktueller Datenlage zu der Ansicht, dass eine ungenügende Magnesiumzufuhr eine Hauptursache einer therapieresistenten Depression ist und dementsprechend bei dieser Diagnose Magnesium eingesetzt werden sollte.

 

Jung KI, Ock SM, Chung JH, Song CH.
Associations of serum Ca and Mg levels with mental health in adult women without psychiatric disorders.
Biol Trace Elem Res. 2010 Feb;133(2):153-61. Epub 2009 Jun 19.

 

Diese Querschnittstudie sollte feststellen, ob die Konzentrationen von Calcium und Magnesium im Serum sowie wie das Verhältnis von Calcium zu Magnesium mit dem seelischen Wohlbefinden bei gesunden, erwachsenen Frauen ohne psychiatrische Erkrankungen verbunden sind.
112 Frauen wurden für die Studie rekrutiert. Die Konzentrationen von Calcium und Magnesium im Serum wurden bestimmt und Indikatoren für Depression, Angst und Stress wurden mittels zweier validierter psychometrischer Fragebögen beurteilt: der Hospital Anxiety Depression Scale und der Modified Brief Encounter Psychosocial Instrument Stress Scale. Nach Einteilung der Calcium- und Magnesiumkonzentrationen sowie des Verhältnisses Calcium zu Magnesium in Terzile wurden die Mittelwerte auf jeder der beiden psychiatrischen Skalen verglichen.
Frauen im mittleren Terzil des Calcium-Magnesium-Verhältnisses, also mit ausgewogenen Konzentrationen der beiden Kationen, hatten signifikant niedrigere Punktwerte auf den Depressions- und Stress-Subskalen (p = 0,004 bzw. p = 0,007) und eine niedrigere Odds Ratio (OR) für das Risiko einer depressiven Störung (OR = 0,31) als die Frauen im Terzil mit dem höchsten Verhältnis. Die OR für das Risiko einer depressiven Störung war bei Frauen im niedrigsten Terzil der Serummagnesiumkonzentrationen höher als für die Frauen im höchsten Terzil (OR = 3,92).

 

Jacka FN, Overland S, Stewart R, Tell GS, Bjelland I, Mykletun A.
Association between magnesium intake and depression and anxiety in community-dwelling adults: the Hordaland Health Study.
Aust N Z J Psychiatry. 2009 Jan;43(1):45-52.

 

Diese Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Magnesiumzufuhr und Depression und Angst bei 5708 Personen im Alter von 46 bis 49 oder 70 bis 74 Jahren aus der Hordaland Health Study in West-Norwegen. Die Symptome wurden mittels der Hospital Anxiety and Depression Scale erhoben. Die Magnesiumzufuhr wurde anhand eines Fragebogens zu den Ernährungsgewohnheiten beurteilt.
Die Ergebnisse zeigten eine durchschnittliche Magnesiumzufuhr zwischen 275 mg (Gruppe der älteren Frauen) und 390 mg (Gruppe der jüngeren Männer). Wurden die Fragebogenwerte dazu in Beziehung gesetzt, ergab sich, dass Personen mit einer höheren Magnesiumzufuhr geringere Werte für depressive Symptome aufwiesen. Dieser Zusammenhang fand sich in beiden Altersgruppen, sowohl bei Männern als auch bei Frauen.
Wenn man bei den Studienteilnehmern nur die Patienten betrachtete, bei denen tatsächlich eine depressive Erkrankung diagnostiziert war (insgesamt 517 Personen), zeigte sich ein ähnlicher Zusammenhang: Die depressiven Symptome waren umso stärker ausgeprägt, je geringer die tägliche Magnesiumaufnahme war. Dabei war die magnesiumarme Ernährung ein stärkerer Risikofaktor für die Entwicklung einer Depression als andere, anerkannte Faktoren wie beispielsweise geringere körperliche Aktivität.
Nach Ansicht der Autoren zeigen dies Ergebnisse einen einfachen Weg auf, um die zunehmende Häufigkeit depressiver Erkrankungen zu senken: eine magnesiumreiche Ernährung mit reichlich Vollkornprodukten, Obst und Gemüse.

 

Nechifor M.
Magnesium in major depression.
Magnes Res. 2009 Sep;22(3):163S-166S. Review.


Szewczyk B, Poleszak E, Sowa-Kućma M, Siwek M, Dudek D, Ryszewska-Pokraśniewicz B, Radziwoń-Zaleska M, Opoka W, Czekaj J, Pilc A, Nowak G.
Antidepressant activity of zinc and magnesium in view of the current hypotheses of antidepressant action.
Pharmacol Rep. 2008 Sep-Oct;60(5):588-9. Review

 

Beide Übersichtsarbeiten betrachten die Beziehungen von Magnesium und Major-Depression: So zeigen etwa eigene Arbeiten von Nechifor, dass die mittlere Konzentration des Erythrozytenmagnesiums bei Patienten mit Major-Depression gegenüber einer gesunden Kontrollgruppe vermindert war (p < 0,05);  nur bei Patienten mit schwerer Major-Depression gemäß der Hamilton Scale (Hamilton-Score > 23) wurde eine mäßige Abnahme auch des Plasmamagnesiums beobachtet.
Bei Therapie mit klassischen Antidepressiva wie Amitryptilin (25 mg dreimal täglich über 4 Wochen) und Sertralin (50 mg dreimal täglich über 4 Wochen) kam es zu einem signifikanten Anstieg der Magnesiumkonzentration in den Erythrozyten (p < 0,05 im Vergleich zu den Werten vor Therapie). Darüber hinaus findet sich in einer Reihe von Studien eine positive Korrelation zwischen der Konzentration von Magnesium in den Erythrozyten und der klinischen Entwicklung von Patienten mit Major-Depression Ein Anstieg der intrazellulären Magnesiumkonzentration könnte demnach zum Wirkungsmechanismus von Antidepressiva beitragen.
Auch Szewczyk et al. führen Studien auf, nach denen Magnesium und darüber hinaus auch Zink antidepressive Eigenschaften gezeigt haben, sowohl im Tierversuch an Mäusen und Ratten als auch in klinischen Studien am Menschen: Hier findet sich eine verbesserte Wirkung einer antidepressiven Pharmakotherapie durch Supplementation mit Zink und Magnesium. Die antidepressiven Wirkungen der Mineralstoffe könnten dabei im Zusammenhang mit dem zentralnervösen Stoffwechsel von Glutamat, dem Brain-derived Neurotrophic Factor (BDNF) und der Glycogensynthasekinase-3 (GSK-3) stehen.



Grases G, Pérez-Castelló JA, Sanchis P, Casero A, Perelló J, Isern B, Rigo E, Grases F.
Anxiety and stress among science students. Study of calcium and magnesium alterations.
Magnes Res. 2006 Jun;19(2):102-6.

 

Die Studie untersuchte Stress und Angst bei Studenten (Chemie) als Ausgangswerte und während Prüfungen unter Verwendung validierter Stress- und Angstfragebögen und setzte sie in Beziehung zu verschiedenen biochemischen Markern. Die Ergebnisse zeigen, dass die untersuchten Studenten keinen Stressanstieg durch die Prüfungen erfuhren, jedoch einen deutlichen Anstieg der Punktwerte für Angst. Diese psychologischen Befunde stimmen mit den im Urin bestimmten Markern überein: Es ist bekannt, dass Angst mit einer Magnesiumverminderung verbunden ist, einhergehend mit einem Anstieg der Magnesiumausscheidung im Urin, wie er auch in dieser Studie beobachtet wurde.