Aus Forschung & Wissenschaft

Natrium, Kochsalz

 

Sonstige


 

Cortese No association between dietary sodium intake and the risk of multiple sclerosis

Neurology 2017 Sep 26

 

Diese prospektive Kohortenstudie untersuchte den potentiellen Zusammenhang zwischen der Natriumzufuhr über die Nahrung und dem Risiko für Multiple Sklerose. Die Fragestellung der Studie ergab sich daraus, dass Tierstudien Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen einer erhöhten Natriumzufuhr und dem Risiko an Multiple Sklerose zu erkranken ergaben.
Vor diesem Hintergrund wurden Daten aus der Nurses Health Study I und II aus den USA ausgewertet. Dabei wurde über 16 bzw. 18 Jahre alle 4 Jahre die Natriumzufuhr über die Nahrung mittels eines Verzehrshäufigkeitsfragebogens (food-frequencies-questionnaire, FFQ) bestimmt. Das Auftreten einer Multiple Sklerose wurde über einen Zeitraum von bis zu 38 Jahre nach Beginn der Untersuchung zunächst per Selbstbericht erfasst und anschließend über den behandelnden Arzt bestätigt.
Insgesamt wurden die Daten von 175.431 Frauen im Alter von 25-55 Jahren ausgewertet. Im Laufe der Untersuchung ist bei 479 Personen eine Multiple Sklerose aufgetreten. Im Mittel waren die Personen zum Zeitpunkt der Diagnose 47 Jahre alt. Die höchste Zufuhr von Natrium über die Ernährung lag bei 3,2 g/Tag bzw. bei 3,5 g/Tag. Die niedrigste Zufuhr lag bei 2,5 g/Tag bzw. bei 2,8 g/Tag. Die statistische Auswertung ergab keinen signifikanten Zusammenhang zwischen der Höhe der Natriumzufuhr und dem Risiko für Multiple Sklerose. Dieser Zusammenhang bestand weder bei einer hohen, noch bei einer niedrigen Zufuhr und ebenso nicht bei der durchschnittlichen Zufuhr von Natrium über die Ernährung.
Die Auswertung der Daten konnte somit den Zusammenhang nicht bestätigen. Die Höhe der Natriumzufuhr hat keinen Einfluss auf das Risiko für Multiple Sklerose. Dennoch ist eine gemäßigte Natriumzufuhr günstig hinsichtlich der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

 

 

 

Ayus JC, Fuentes NA, Negri AL, Moritz ML, Giunta DH, Kalantar-Zadeh K, Nigwekar SU, Thadhani RI, Go AS, De Quiros FG
Mild prolonged chronic hyponatremia and risk of hip fracture in the elderly
Nephrol Dial Transplant. 2016 Mar 23 

 

Diese Kohortenstudie mit 31527 Teilnehmern untersucht den Zusammenhang zwischen leichtem, länger andauerndem Natriummangel (< 135 mmol/l) von mindestens 90 Tagen und Knochenbrüchen. Der Median des Follow-ups betrug 510 Tage (von 93 bis 2020 Tage).
228 der 31527 Teilnehmer hatten einen länger andauernden Natriummangel (0,9 %) und sieben davon erlitten einen Knochenbruch gegenüber 411 Teilnehmern ohne andauernden Natriummangel.
Daraus gab sich ein 4,52-mal größeres Risiko für einen Knochenbruch bei länger anhaltendem Natriummangel (HR = 4,52; 95 % CI = 2,14 - 9,6).
Wurden nur die Teilnehmer mit einem moderaten Natriummangel (<130 mmol/l) betrachtet, so war das Risiko sogar 7,61-mal so hoch (HR = 7,61; 95 % CI = 2,8 - 20,5).
Die Autoren schließen, dass leichter, länger andauernder Natriummangel mit einem erhöhten Risiko zu einem Knochenbruch einhergeht, auch wenn das generelle Risiko gering ist.
 

 

Pogoda JM, Gross NB, Arakaki X, Fonteh AN, Cowan RP, Harrington MG
Severe Headache or Migraine History Is Inversely Correlated With Dietary Sodium Intake: NHANES 1999-2004
Headache. 2016 Apr;56(4):688-98

 

Diese Observationsstudie wertet Daten von 8819 Teilnehmern der NHANES-Studie (1999 - 2004) aus, um den Zusammenhang zwischen der Natriumaufnahme mit der Nahrung und Migräne bzw. starken Kopfschmerzen zu untersuchen. Die Teilnehmer wurden nach ihrer Natriumaufnahme in Quartile aufgeteilt. Insgesamt sank die Wahrscheinlichkeit einer Migräne zum folgenden Quartil mit höherer Natriumaufnahme um das 0,93-Fache (OR = 0,93; CI 95 % = 0,87 - 1,00, p = 0,0455), so dass die Wahrscheinlichkeit für Migräne bei Teilnehmern im Quartil mit der höchsten Natriumaufnahme um das 0,81-fache geringer war (OR = 0,81; 95 % = 0,66 - 0,99) als im Quartil mit der niedrigsten Natriumaufnahme. Die Subgruppenanalyse nach dem Geschlecht ergab, dass dieser Trend für Frauen signifikant war, jedoch nicht für Männer.
Bei Frauen mit niedrigerem BMI sank die Wahrscheinlichkeit einer Migräne zum folgenden Quartil mit höherer Natriumaufnahme um das 0,87-fache (OR = 0,87; CI 95 % = 0,78 - 0,96, p = 0,007) ), so dass die Wahrscheinlichkeit für Migräne bei Teilnehmerinnen im Quartil mit der höchsten Natriumaufnahme eine um das 0,81-fache geringer war (OR = 0,66; 95 % = 0,49 - 0,88) als im Quartil mit der niedrigsten Natriumaufnahme.
Die Autoren schließen, dass diese Studie Hinweise auf einen umgekehrten Zusammenhang zwischen der Natriumaufnahme mit der Nahrung und Migräne liefert. Sie vermuten, dass die Natriumaufnahme mit der Nahrung über die Konzentration des Natriums im extrazellulären Bereich des Gehirns das Auftreten einer Migräne beeinflusst. 

 

Holm JP, Amar AO, Hyldstrup L, Jensen JE
Hyponatremia, a risk factor for osteoporosis and fractures in women
Osteoporos Int. 2016 Mar

 

Diese Observationsstudie untersuchte bei 5610 Frauen mit durchschnittlich 61 Jahren den Zusammenhang zwischen einem Natriummangel (<136 mmol/l im Blutserum) und der Knochendichte sowie dem Auftreten von Knochenbrüchen. Die Patientinnen mit Natriummangel waren signifikant älter, litten signifikant häufiger unter Osteoporose (47 % vs. 29 %) und hatten eine signifikant geringere Knochendichte in der Hüfte und im Oberschenkelhalsknochen. Das Risiko für einen Knochenbruch war bei Patientinnen mit Natriummangel doppelt so groß wie bei Patientinnen ohne Natriummangel (HR = 2,009; 95 % CI = 1,118 - 3,607, p = 0,02), und dies war unabhängig vom Vorliegen einer Osteoporose.
Die multivariate Analyse mit Natrium als kontinuierlicher Variable ergab, dass mit 1 mmol/l höherer Natriumkonzentration im Blutserum das Risiko für einen Knochenbruch um 5 % sank.
Die Autoren schließen, dass Natriummangel bei Frauen mit einem höheren Osteoporoserisiko einhergeht sowie mit einem erhöhten Risiko zu Knochenbrüchen, welches allerdings unabhängig von einer Osteroporose besteht.

 

 

Upala S, Sanguankeo A
Association Between Hyponatremia, Osteoporosis and Fracture: a Systematic Review and Meta-analysis
J Clin Endocrinol Metab. 2016 Feb

 

Dieser systematische Review mit Meta-Analyse fasst die bis Oktober 2015 vorhandene Literatur zum Zusammenhang zwischen Natriummangel und Osteoporose sowie Knochenbrüchen zusammen. 15 Observationsstudien mit insgesamt 212889 Patienten genügten den Einschusskriterien, davon wurden 12 Studien in die Meta-Analyse eingeschlossen.
Diese ergab, dass bei Patienten mit Natriummangel die Wahrscheinlichkeit für einen Knochenbruch doppelt so groß ist (OR = 1,99; 95 % CI = 1,5 - 2,63; p < 0,001) und dass sie ein um 62 % erhöhtes Risiko haben, einen Knochenbruch zu erleiden (HR = 1,62; 95 % CI = 1,28 - 2,05; p < 0,001). Außerdem ist bei Natriummangel die Wahrscheinlichkeit für eine Osteoporose signifikant, um das 1,23-fache, größer (OR = 1,23; 95 % CI = 1,06 - 1,43; p = 0,04).
Die Autoren schließen, dass diese Daten die Hypothese eines signifikanten Zusammenhangs zwischen Natriummangel und Osteoporose sowie Knochenbrüchen unterstützen.