Forschung und WissenschaftCalciumSonstige

 

Aus Forschung & Wissenschaft

Calcium

 

Sonstige

 

Tisdale AK1, Agrón E1, Sunshine SB1, Clemons TE2, Ferris FL 3rd1, Chew EY1; 
Association of Dietary and Supplementary Calcium Intake With Age-Related Macular Degeneration: Age-Related Eye Disease Study Report 39.
JAMA Ophthalmol. 2019 May 1;137(5):543-550. doi: 10.1001/jamaophthalmol.2019.0292 .

 

In dieser prospektiven Kohortenstudie wurde der Zusammenhang zwischen der Calciumzufuhr aus der Nahrung und Supplementen und dem Fortschreiten der altersbedingten Makuladegeneration untersucht. Eine altersbedingte Makuladegeneration verläuft über ein frühes, mittleres und schlussendlich fortgeschrittenes Stadium. Das frühe Stadium ist häufig mit einem vermehrten Auftreten an kleinen geblichen Ablagerungen unter der Netzhaut assoziiert (Drusen). Bei der fortgeschrittenen Form wird weiter in eine trockene und eine feuchte altersbedingte Makuladegeneration (AMD) unterteilt. Für die hier vorliegende Untersuchung wurde eine Sekundäranalyse von Daten aus der Studie über altersbedingte Augenkrankheiten (AREDS-Studie) durchgeführt. In dieser Studie wurden Personen mit unterschiedlichem Schweregrad einer Makuladegeneration eingeschlossen. Die Teilnehmer wurden über einen Zeitraum von 5 Jahren beobachtet. Zu definierten Zeitpunkten fand eine umfangreiche Augenuntersuchungen statt, die stereoskopische Aufnahmen der Augen beinhalteten, um das Fortschreiten bzw. die Entwicklung einer AMD zu beurteilen. Zu Beginn der Studie erfolgte zudem die Aufzeichnung der Nährstoffaufnahme mittels Verzehrshäufigskeitsfragebogen (Foos Frequency Questionnaire, FFQ). Hieraus wurde die Calciumaufnahme ermittelt.

Insgesamt konnten für die Untersuchung Daten von 4751 Teilnehmern ausgewertet werden. Es zeigte sich, dass Teilnehmer mit der höchsten Calciumzufuhr im Vergleich zu denen mit der niedrigsten Calciumzufuhr über die Nahrung ein geringeres Risiko (berechnet als Hazard Ratio) für die Entwicklung einer fortgeschrittenen alterbedingten Makuladegeneration (Hazard Ratio [HR]: 0,73, p=0,003), einer zentralen geografischen Atrophie (HR: 0,64, p=0,004) und einer geografischen Atrophie (HR: 0,80, p=0,05) aufwiesen.
Zusammenfassend macht diese Auswertung deutlich, dass eine höhere Calciumzufuhr über die Nahrung eine positive Auswirkung auf die Ausbildung einer alterbedingten Makuladegeneration haben kann. Dennoch muss hier kritisch betrachtet werden, dass die Calciumzufuhr nur zu Beginn der Studie erfasst wurde.


Magalhães EI1, Pessoa MC2, Franceschini SD3, Novaes JF3.
Dietary calcium intake is inversely associated with blood pressure in Brazilian children.
Int J Food Sci Nutr. 2017 May;68(3):331-338. doi: 10.1080/09637486.2016.1236075. Epub 2016 Oct 6.

Diese Querschnittstudie umfasst eine Stichprobe von 347 brasilianischen Kindern im Alter von 8 und 9 Jahren aus einem Querschnitt der Bevölkerung. Die Calciumzufuhr wurde über drei Ernährungsprotokolle an nicht aufeinander folgenden Tagen inklusive einem Wochenendtag ausgewertet. 32% der Teilnehmer litten an Übergewicht oder Fettleibigkeit, bei mehr als der Hälfte von ihnen wurde ein hohes Gesamtcholesterin und bei 34,2% ein überwiegend sitzendes Bewegungsverhalten festgestellt. Die Prävalenz von Hypertonie betrug insgesamt 3,8%. Die Prävalenz von Hypertonie bei fettleibigen Kindern bzw. nicht-fettleibigen Kindern betrug 5,4% bzw. 3,0%. Diese Studie unterstützt die Hypothese eines inversen Zusammenhangs zwischen der Calciumzufuhr und dem Blutdruck bei Kindern in Brasilien. Um die Calciumzufuhr in der Bevölkerung im Kindesalter zu erhöhen, sind Ernährungsprogramme und Ernährungserziehung erforderlich, da die Calciumquellen in der Nahrung wenig kosten und für die Gesundheit der Kinder wichtig sind. Es sind mehr Studien erforderlich, hauptsächlich Längsschnittdesign, um die zu Grunde liegenden Mechanismen sowie den Zusammenhang zwischen der Calciumzufuhr und dem Blutdruck bei Kindern aus Entwicklungsländern besser zu verstehen.

 

Katsuura-Kamano S1, Uemura H1, Yamaguchi M2, Nakamoto M3, Bahari T1, Miki K1, Ishizu M1, Sawachika F1, Arisawa K1.
Dietary calcium intake is associated with serum high-sensitivity C-reactive protein level in the general Japanese population.
Clin Biochem Nutr. 2018 Jan;62(1):89-93. doi: 10.3164/jcbn.17-48. Epub 2017 Nov 11.

 In dieser Querschnittsstudie (Japan Multi Institutional Collaborative Cohort Study, J-MICC-Studie) wurde untersucht, welcher Zusammenhang zwischen der Calciumzufuhr über die Nahrung und den hochsensitiven C-reaktiven Proteinspiegeln (CRP) in der japanischen Bevölkerung besteht.

Insgesamt wurden 2.019 Probanden (1.194 Männer, 825 Frauen) im Alter von 35 bis 69 Jahren in die Analyse eingeschlossen. Die Nährstoffzufuhr, einschließlich Calcium, wurde unter Verwendung eines validierten Verzehrshäufigkeitsfragebogens (food-frequency-questionnaire, FFQ) für das letzte Jahr berechnet. Zudem wurden Lifestyle-Faktoren abgefragt und anthropometrische Daten erfasst. Mit Hilfe von venösen Blutproben wurden die Spiegel des hochsensitiven c-reaktiven Proteins bestimmt.
Die Calciumzufuhr wurde in Quartile von der höchsten (>548,1 mg/d) bis zur niedrigsten (≤371,5 mg/d) Zufuhr eingeteilt. Um die Zusammenhänge zwischen der Calziumzufuhr über die Nahrung und den CRP-Spiegel darzustellen wurde ein allgemeines lineares Modell verwendet und um potentielle Störfaktoren adjustiert.

Die Analyse zeigte, dass die Calciumzufuhr über die Nahrung signifikant invers mit den Serumspiegeln des hochsensitiven C-reaktiven Proteins (p<0,001) assoziiert war. Dies galt auch nach Adjustierung um Alter, Geschlecht, Untersuchungszentrum, körperlicher Aktivität in der Freizeit, Rauchverhalten, Trinkverhalten, Nährstoffzufuhr (Energie, Ballaststoffe, gesättigte Fettsäuren und Vitamin D) und menopausalen Status (p<0,001).

 

 

Tanaka K, Miyake Y, Okubo H, Hanioka T, Sasaki S, Miyatake N, Arakawa M
Calcium intake is associated with decreased prevalence of periodontal disease in young Japanese women
Nutr J. 2014 Nov 24; 13:109. doi: 10.1186/1475-2891-13-109

 

In dieser Querschnittsstudie mit 1162 Japanerinnen, mittleres Alter 31.5 Jahre, gehen die Autoren der Frage nach, welchen Einfluss die Aufnahme von Calcium in der Schwangerschaft auf das Auftreten von Parodontose hat.
Dazu wurde die Ernährung mittels Fragebogen erfragt und das Zahnfleisch 1-12 Monate nach der Geburt untersucht.
Die Wissenschaftler kommen dabei zu dem Ergebnis, dass die Calcium-Aufnahme signifikant umgekehrt assoziiert ist mit dem Auftreten einer Parodontose, wobei das Risiko dafür in dem Viertel mit der höchsten Calcium-Aufnahme (mittlere Aufnahme 668 mg pro Tag) um ca. 47 % (OR = 0,53, CI 0,30-0,94 p=0,03) geringer ist als in dem Quartil mit der geringsten Calcium-Aufnahme (mittlere Aufnahme 338 mg pro Tag). Weitere randomisierte Interventions-Studien sind notwendig, um die Kausalität dieses Sachverhalts und die Frage zu klären, in wie weit eine Ergänzung des Calciums über Mineralwasser, die gleichen Ergebnisse erbringt.

 

 

Coiro V, Zanardi G, Saccani Jotti G, Rubino P, Manfredi G, Chiodera P.
High-calcium mineral water as a calcium supplementing measure for post-thyroidectomy hypocalcemia.
Minerva Endocrinol. 2008 Mar;33(1):7-13.
 

Diese Studie befasst sich mit einer ganz speziellen Personengruppe: Patienten nach totaler Thyreoidektomie aufgrund eines Schilddrüsenkarzinoms, bei denen normalerweise eine lebenslange Substitution mit Calcium erforderlich ist. Hier wird nun untersucht, ob 1 Liter eines Calcium-Hydrogencarbonat-reichem Mineralwassers pro Tag diesen Zweck ebenfalls erfüllt.
Aufgenommen wurden 95 Patienten mit einer im Schnitt 4 Monaten zurückliegenden Thyreoidektomie, die mit oraler Gabe von Calcium und Vitamin D behandelt wurden. Zum Zeitpunkt der Rekrutierung lag die Konzentrationen des ionisierten Calciums im Serum entweder unterhalb (Gruppe A; n = 55) oder oberhalb des unteren Normwerts von 1,12 mmol/l. (Gruppe B; n = 40, zufallsmäßig aufgeteilt in Gruppe B1 [n = 20] und Gruppe B2 [n = 20]) Über einen Monat erhielt Gruppe A pro Tag 1 Liter des calciumreichen Mineralwassers (Calciumgehalt 483 mg/l) und setze außerdem die begonnene Therapie mit Calcium und Vitamin D fort. Im Gegensatz dazu ersetzten die Patienten in den Gruppen B1 und B2 ihre Calcium- und Vitamin-D-Gabe durch 1 Liter des calciumreichen Mineralwassers (Gruppe B1) oder 1 Liter Placebo-Mineralwasser (Calciumgehalt:80 mg/l, Gruppe B2).
Nach 1 Monat fanden sich folgende Veränderungen des ionisierten Calciums im Serum: ein signifikanter Anstieg um 7,5 % in Gruppe A, keine Veränderung in Gruppe B1 und eine signifikante Verminderung in Gruppe B2 (B2 vs. B1: p < 0,001).
Anschließend erhielten die Teilnehmer in Gruppe B2 über einen weiteren Monat 1 Liter des calciumreichen Mineralwassers statt Placebo, was die Konzentration des ionisierten Calciums im Serum signifikant über den unteren Normwert erhöhte (B2 vs. B1: jetzt nicht mehr signifikant).
Diese Studie zeigt nach Meinung der Autoren, dass eine Calciumsupplementation in Form von 1 Liter eines calciumreichen Wassers die Calciumkonzentration im Serum bei Patienten nach totaler Thyreoidektomie wirksam erhöhen kann. Diese Behandlung könnte dazu beitragen, eine Hypokalzämie zu verhindern und die Therapie mit Vitamin D und Calcium zumindest zu ergänzen und möglicherweise zu ersetzen.