Forschung und WissenschaftCalciumHerz-Kreislauf

 

Aus Forschung & Wissenschaft

 

Calcium

 

Herz-Kreislauf

 

Im Zusammenhang mit dem Herzen ist Calcium in jüngster Zeit etwas in die Diskussion geraten - eine Metaanalyse aus dem Jahr 2010 scheint darauf hinzuweisen, dass die Einnahme von Calciumsupplementen (nicht jedoch mit der Nahrung zugeführtes Calcium) zur Prävention einer Osteoporose mit einem erhöhten Risiko für eine Myokardinfarkt verbunden sind. Dazu ist jedoch das letzte Wort noch nicht gesprochen - darüber hinaus ist Calcium auf jeden Fall für die kontraktile Funktion des Herzens - wie für jede Muskelkontraktion - unentbehrlich. Ein Calciummangel kann zu Arrhythmien führen. Weiterhin gibt es Hinweise, dass Calcium die Entwicklung eines Bluthochdrucks verzögern oder verhindern kann - ein wichtiger Risikofaktor für alle Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

 

 

Rapant S1, Cvečková V2, Fajčíková K3, Hajdúk I4, Hiller E5, Stehlíková B6.
Hard Water, More Elastic Arteries: A Case Study from Krupina District, Slovakia.
Int J Environ Res Public Health. 2019 Apr 29;16(9). pii: E1521. doi: 10.3390/ijerph16091521

 

Diese Querschnittsstudie untersuchte den Einfluss von Calcium und Magnesium im Trinkwasser mit unterschiedlicher Wasserhärte auf die kardiovaskuläre Gesundheit. Für diese Studie wurden 144 Bewohner (32 - 60 Jahre alt; Durchschnitt: 46.3 ± 7.66) des Krupina-Distrikts in der Slowakischen Republik eingeschlossen. Je nachdem, welches Trinkwasser in den letzten 5 Jahren konsumiert wurde, wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt: 1) weiches Trinkwasser (insgesamt gelöste Feststoffe: 200-300 mg/l, 20-25 mg Calcium/l, 5-10 mg Magnesium/l); 2) hartes Trinkwasser (gelöste Feststoffe: 500-600 mg/l, 80-90 mg Calcium/l, 25-30 mg Magnesium/l). Die kardiovaskuläre Gesundheit wurde mittels Messung der arteriellen Gefäßsteifheit, der Pulswellengeschwindigkeit und der Berechnung des arteriellen Alters ermittelt. Hierbei deuten höhere Werte auf einen schlechteren Gesundheitszustand hin. Die Ergebnisse der Studien zeigten, dass die durchschnittlichen Pulswellengeschwindigkeiten und das arterielle Alter in Gebieten mit niedrigen Calcium- und Magnesiumgehalten im Trinkwasser signifikant höher waren als in Gebieten mit höheren Calcium- und Magnesiumgehalten im Wasser (p<0,05). Der Unterschied zwischen dem arteriellen und dem tatsächlichen Alter zeigte ebenfalls einen etwas ungünstigeren Gesundheitszustand (höherer Median) für die Probanden, welche weiches Wasser konsumierten. Der "absolute" Unterschied zwischen dem arteriellen und dem tatsächlichen Alter zwischen den beiden Gruppen (weiches und härteres Wasser) betrug im Durchschnitt 4,7 Jahre Der Unterschied war jedoch nur bei Frauen signifikant (p <0,05). Dies bedeutet, dass die Gruppe mit den niedrigeren Mineralstoffgehalten im Wasser eine höhere arterielle Steifigkeit aufwies. Eine Überprüfung von möglichen weiteren Einflussfaktoren (u.a. Raucherstatus, Body-Mass-Index) zeigte, dass lediglich das Alter einen Einfluss auf die kardiovaskuläre Gesundheit hatte. Insgesamt konnte so gezeigt werden, dass eine höhere Zufuhr an Calcium und Magnesium durch das härtere Trinkwasser einen positiven Beitrag zur kardiovaskulären Gesundheit leistet.


 

Y Chen, S Strasser, Y Cao, K-S Wang and S Zheng
Calcium intake and hypertension among obese adults in United States: associations and implications explored
Journal of Human Hypertension 2015 Jan 15

 

Diese spezielle Auswertung einer großen Studie aus den USA (NHANES = National Health and Nutrition Examination survey) untersucht, in wie weit Calcium aus der Nahrung das Risiko, einen Bluthochdruck zu entwickeln, beeinflusst. Dazu wurden Daten von 1999 - 2009 von 14408 fettleibigen Erwachsenen (BMI >30 und Bauchumfang >102 cm Männer, bzw. > 88 cm Frauen), 20 Jahre oder älter ausgewertet.
Die Calcium- , Natrium-, Kalium- und die Gesamtenergieaufnahme mit der Nahrung und Getränke der letzten 24 Stunden wurde im Interview ermittelt (Supplemente wurden nicht erfasst).
3754 (26 %) der Teilnehmer hatten Bluthochdruck.
Der Mittelwert der Calciumaufnahme war in der Gruppe der Hypertoniker (759 mg/Tag) signifikant kleiner als bei der Gruppe mit normalem Blutdruck (841 mg/Tag). Dies war auch bei der Natrium- (2954 mg vs 3221 mg pro Tag) und der Kaliumaufnahme (2440 vs 2543mg pro Tag) so.
Die Regressionsanalyse ergab signifikante Ergebnisse für die logarithmierte Calciumaufnahme, wobei eine Steigerung des auf Energieaufnahme adjustierten Calciums um 1 log-Einheit die Wahrscheinlichkeit, an Bluthochdruck zu leiden, um ca. 19 % senkte (OR 0,81). Bei einer Betrachtung verschiedener Untergruppen fanden sich teils noch deutlichere Ergebnisse, so bei fettleibigen Frauen (OR: 0,68), jüngeren Menschen (OR: 0,77), Nicht-Diabetikern (OR: 0,77) und Frauen zwischen 20 und 44 Jahren (OR: (0,56).

 

Cormick G, Ciapponi A, Cafferata ML, Belizán JM
Calcium supplementation for prevention of primary hypertension
Cochrane Database Syst Rev. 2015 Jun 30;6:CD010037

 

Der Einfluss einer höheren Calciumaufnahme auf den Blutdruck, sei es über eine Supplementation oder über die Nahrung, ist der Untersuchungsgegenstand dieses systematischen Cochrane-Reviews. 16 randomisierte, kontrollierte Studien mit insgesamt 3048 Teilnehmern mit normalem Blutdruck wurden dazu ausgewertet.
Insgesamt führte eine höhere Calciumaufnahme zu einer leichten Senkung des systolischen (bis zu 1,4 mm Hg) sowie auch des diastolischen Blutdrucks (bis zu 2,8 mm Hg), besonders bei jüngeren Menschen, was eine Rolle des Calciums bei der Prävention von Bluthochdruck nahelegt. Diese Senkung des Blutdrucks konnte 3,5 Monate nach Beginn der Intervention beobachtet werden. Die zuverlässigsten Ergebnisse wurden mit Calciumaufnahmen zwischen 1000 und 1500 mg/Tag erzielt.
Die Autoren merken an, dass auch nur kleine Blutdrucksenkungen eine wichtige Bedeutung bei der Reduktion von Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben könnten und somit in dieser Hinsicht auch auf eine ausreichende Calciumversorgung geachtet werden sollte.

 

 

Javier T Gonzalez , Benjamin P Green, Meghan A Brown, Penny LS Rumbold, Louise A Turner, and Emma J Stevenson
Calcium Ingestion Suppresses Appetite and Produces Acute Overcompensation of Energy Intake Independent of Protein in Healthy Adults
J. Nutr. March 1, 2015 vol. 145 no. 3

 

Diese randomisierte doppelblinde Studie mit cross-over Design untersucht an 20 Gesunden (18-40 Jahre, BMI 18-30), in wie weit vor dem Essen eingenommenes Calcium den Appetit mindert und die Essensmenge bei der Hauptmahlzeit danach verringert.
Dazu erhielten die Teilnehmer nacheinander in 4 Versuchen als „Vormahlzeit" ein Haferflockenmüsli mit entweder


• wenig Protein (4 g) und wenig Calcium (104 mg) = Versuch 1
• nur viel Protein (29 g) = Versuch 2
• nur viel Calcium (1170 mg) = Versuch 3
• oder viel Protein und viel Calcium = Versuch 4

 

Eine Stunde danach erhielten die Probanden die Hauptmahlzeit, bei der sie die Essensmenge frei wählen durften. Versuch 1 wurde als Referenz genommen. Im Versuch 2, bei dem es nur viel Protein in der Vormahlzeit gab, aßen die Probanden insgesamt genauso viele Kalorien wie im Versuch 1. Erhielten sie allerdings zu dem Protein noch viel Calcium (Versuch 4), so verzehrten sie insgesamt 9 % weniger Kalorien. Am wenigsten aßen die Probanden, wenn sie mit der „Vormahlzeit" nur viel Calcium erhielten (Versuch 3) - insgesamt 18 % weniger als im Referenzversuch (836 vs 985 kcal).
Die Autoren stellen fest, dass Calcium, ob mit Protein gemischt oder nicht, vor einer Mahlzeit den Appetit mindert und dass dieser Effekt im wesentlichen durch das Calcium bedingt ist.
Mit Calciumaufnahme möglichst ohne zusätzliche Kalorien vor einer Mahlzeit, mit einem kalziumreichen Mineralwasser einfach umzusetzen, lässt sich also leicht der Appetit bremsen.

 

Khan B, Nowson CA, Daly RM, English DR, Hodge AM, Giles GG, Ebeling PR
Higher Dietary Calcium Intakes Are Associated With Reduced Risks of Fractures, Cardiovascular Events, and Mortality: A Prospective Cohort Study of Older Men and Women
J Bone Miner Res. 2015 Mar 31

 

Diese sehr große australische Beobachtungsstudie mit 34468 gesunden Teilnehmern zwischen 40 und 69 Jahren untersucht den Zusammenhang zwischen der Calciumaufnahme mit der Nahrung und dem Auftreten von Knochenbrüchen, Herz-Kreislauferkrankungen sowie der allgemeinen Sterblichkeit. Die Calciumaufnahme wurde zu Beginn der Studie über 1 Jahr lang ermittelt (1990 - 1994) und daraufhin die Teilnehmer in Quartile eingeteilt und durchschnittlich 13 Jahre lang beobachtet.
Dabei zeigten sich beim Vergleich der Quartile mit der niedrigsten (641 mg/Tag, n = 8760) und der höchsten (1076 mg/Tag, n = 8447) Calciumaufnahme geringere Risiken für Teilnehmer im höchsten Quartil. Diese hatten ein um 14 % niedrigeres, allgemeines Sterblichkeitsrisiko (HR = 0,86, CI = 0,76 - 0,98), eine um 16 % geringere Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Herz-Kreislauf-Erkrankung (OR = 0,84, CI = 0,70 - 0,99), eine um 31 % geringere Wahrscheinlichkeit für einen Schlaganfall (OR = 0,69, CI = 0,51 - 0,93) sowie eine um 30 % geringere Wahrscheinlichkeit für einen Knochenbruch (OR = 0,70, CI = 0,54 - 0,92).
Somit folgern die Autoren, dass eine höhere tägliche Calciumaufnahme mit der Nahrung von bis zu 1348 mg bei älteren Menschen mit einem geringeren Risiko für einen Schlaganfall, dem Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Knochenbrüchen sowie mit einer geringeren Sterblichkeit einhergeht.

 

Lewis JR(1), Zhu K, Thompson PL, Prince RL.
The Effects of 3 Years of Calcium Supplementation on Common Carotid Artery Intimal Medial Thickness and Carotid Atherosclerosis in Older Women: An Ancillary Study of the CAIFOS Randomized Controlled Trial
J Bone Miner Res. 2014 Mar;29(3):534-41. doi: 10.1002/jbmr.2117


Diese Studie ist eine Zusatz-Studie zur australischen CAIFOS-Studie (Calcium-Aufnahme-Knochenbruch-Studie über 5 Jahre: 1998 - 2003). Insgesamt 1460 Frauen (Altersdurchschnitt 75 Jahre) bekamen entweder Calciumcarbonat (1,2 g pro Tag) oder Placebo. Im dritten Jahr der Studie wurde bei 1106 Frauen die Intima-Media-Dicke und die Gefäßverkalkung der Arteria carotis mittels hochauflösendem Ultraschall bestimmt.
Zusätzlich wurden Blutdruck, Körpermaße, Medikation, Vorerkrankungen, und Calciumauf-nahme über die Nahrung erfasst. Die Calciumaufnahme wurde in die Tertile 1-3 eingeteilt (Tertil 1: < 1010, Tertil 2: 1010- 1795, Tertil 3: > 1795 mg/Tag).
In einer multivariaten Analyse zeigte sich, dass sich zwischen Interventions- und Placebogruppe weder die Intima-Media-Dicke noch das Ausmaß der Atherosklerose unterschie-den.
Probanden im höchsten Tertil der Calcium-Aufnahme (Nahrung plus Supplemente) hatten im Vergleich zu den Probanden im niedrigsten Tertil eine um 30 % verminderte Chance für Atherosklerose (OR 0,70; KI: 0, 51-0, 96), p = 0.028).
Somit konnten die Autoren zeigen, dass eine ausreichende Calciumversorgung kardiovaskuläre Risikofaktoren reduzierte.

 

 

Yao Y, He L, Jin Y, Chen Y, Tang H, Song X, Ding L, Qi Q, Huang Z, Wang Q, Yu J

The relationship between serum calcium level, blood lipids, and blood pressure in hypertensive and normotensive subjects who come from a normal university in east of China

Biol Trace Elem Res. 2013 Jun;153(1-3):35-40 

 

Ziel dieser chinesischen Studie war es, die Serum-Calcium-Spiegel und Blutfette bei hypertensiven sowie normotensiven Personen zu bestimmen.
Hierzu wurden 1135 Erwachsene eingeschlossen und in eine Gruppe mit Hypertonie (n= 316; RR > 140/90) sowie in eine normotone Gruppe (n = 819; RR< 120/80) eingeteilt.
Bei hypertonen Männern über 60 Jahre zeigte sich eine umgekehrte Korrelation zwischen Blutdruck und Serum-Calcium-Spiegeln (P = 0,038), die bei hypertonen Frauen nicht nachweisbar war. Bei normotonen Personen gab es eine positive Korrelation zwischen der Höhe des diastolischen Blutdrucks und dem Gesamt-Cholesterol sowie den Triglyzeriden (P < 0,01). In dieser Gruppe korrelierte signifikant und unabhängig vom Geschlecht die Höhe der Triglyzeride mit den Serum-Calcium-Spiegeln (P < 005); das LDL-Cholesterol korrelierte negativ mit der Höhe der Serum-Calcium-Spiegel bei Männern, nicht bei Frauen (P < 0,001).
Die Autoren folgern, dass erhöhte Serum-Calcium-Spiegel bei älteren Männern mit Hypertonie einen günstigen Effekt auf die Höhe des Blutdrucks haben und die Profile der Blutfette bei Personen mit normalem Blutdruck beeinflussen.

 

 

Li K, Kaaks R, Linseisen J, Rohrmann S.

Associations of dietary calcium intake and calcium supplementation with myocardial infarction and stroke risk and overall cardiovascular mortality in the Heidelberg cohort of the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition study (EPIC-Heidelberg)

Heart. 2012 Jun;98(12):920-5

 

In dieser Unteranalyse einer großen Kohortenstudie, die primär den Einfluss der Ernährung auf Krebs untersucht, wurden die Todesfälle für Schlaganfall, Herzinfarkt und andere kardiovaskuläre Ereignisse erfasst, und deren Zusammenhang zur Calcium-Aufnahme entweder über die Nahrung oder als Nahrungsergänzungsmittel untersucht.
Dazu wurden 23980 Teilnehmer der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition Study (EPIC Heidelberg) im Alter von 35-64 Jahren ohne wesentliche Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs eingeschlossen.
Die Calcium-Einnahme mit der Nahrung wurde anhand eines Ernährungsfragebogens ermittelt.
Erfasst wurden über 11 Jahre alle Todesfälle wegen Schlaganfall (n = 260), Herzinfarkt (n = 354) und anderer kardiovaskulärer Ereignisse (n = 267).
Die Teilnehmer wurden nach Gesamt-Calcium-Aufnahme (angepasst an die tägl. Gesamtenergieaufnahme) in 4 Quartile eingeteilt: Quartil 1 (niedrigste Aufnahme): 513 mg/d Ca, Quartil 2: 675 mg/d Ca, Quartil 3: 820 mg/d Ca, Quartil 4 (höchste Aufnahme) 1130 mg/d Ca (Angabe von Mittelwerten).
Die Gruppe, die das 3. Quartil bildete, hatte ein um ca. 30 % und damit signifikant geringeres Risiko für Tod wegen Herzinfarkt (HR = 0,69, 95 % CI = 0,5-0,94) verglichen mit dem 1. Quartil (HR = 1.0). Wurde das 4. Quartil mit dem 1. Quartil verglichen, war die Risikoreduktion mit 15 % geringer und das Ergebnis nicht mehr signifikant.
In einem weiteren Teil der Studie wurden die Risiken der Teilnehmer analysiert, die Calcium anhand von Nahrungsergänzungsmitteln einnahmen. Die Teilnehmer, die Calcium als Nahrungsergänzungsmittel einnahmen, hatten ein mehr als doppelt so hohes und damit signifikantes Risiko für Tod durch Herzinfarkt.
Es gab keine Assoziation zwischen Calcium-Einnahme und Schlaganfallrisiko oder dem Tod aus anderer kardiovaskulärer Ursache.
Die Autoren folgern daraus, dass eine Calcium-Aufnahme mit der Nahrung das Herzinfarktrisiko senken kann. Calcium als Nahrungsergänzungsmittel sollte nach den Ergebnissen der Studie jedoch mit Vorsicht genommen werden, da das Risiko für Herzinfarkt hier sogar anstieg.

 

Torres MR, Sanjuliani AF.
Does calcium intake affect cardiovascular risk factors and/or events?
Clinics (Sao Paulo). 2012 Jul;67(7):839-44.

 

Ein Review aus Brasilien fasst die aktuelle Literatur zum Thema Calcium-Supplemente bzw. calciumreiche Ernährungsweise und Übergewicht, Insulinresistenz, Fettstoffwechselstörungen sowie Herz-Kreislauferkrankungen zusammen.
Die Ergebnisse epidemiologischer Studien zeigen eine umgekehrte Korrelation zwischen der Calcium-Aufnahme über die Nahrung und Übergewicht, Insulin-Resistenz und Bluthochdruck.
Vor allem Personen die sich calciumarm ernähren, können Blutdruck und Übergewicht bei gleichzeitiger Kalorienrestriktion durch eine zusätzliche Calcium- Portion über die Nahrung senken. Eine erhöhte Ca-Aufnahme senkt die Serum-Calcitriol-Spiegel, was in einer erhöhten Lipolyse resultiert. Auch bindet Calcium an Gallensäuren und fördert somit die Fettausscheidung über den Stuhl.
Der Einfluss auf Herzinfarkt und Schlaganfall wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Wohingegen eine calciumreiche Ernährung das Risiko senkt, zeigen einige Studie eine Erhöhung dieser kardiovaskulären Ereignisse durch die Einnahme von Calcium-Supplementen. Es wird vermutet, dass die Serum-Peaks nach der Einnahme von Supplementen hierbei problematisch sind.

 

 

Lewis JR, Calver J, Zhu K et al.

Calcium supplementation and the risks of atherosclerotic vascular disease in older women: results of a 5-year RCT and a 4.5-year follow-up.

J Bone Miner Res. 2011 Jan;26(1):35-41.

 

Diese Arbeit geht auf die aktuelle geäußerte Befürchtung ein, dass die routinemäßige Calciumsubstitution zur Prävention einer Osteoporose zu einem erhöhten Risiko für arteriosklerotische Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Myokardinfarkte führt. Berichtet werden die Ergebnisse einer randomisierten doppelblinden, placebokontrollierten Studie über 5 Jahre (Calcium Intake Fracture Outcome Study (CAIFOS) plus einer 4,5-jährigen Nachbeobachtung.
Teilnehmerinnen waren 1460 Australierinnen aus der Allgemeinbevölkerung im mittleren Alter von 75,1 Jahre zu Studienbeginn (1998), die randomisiert entweder 1200 mg Calciumcarbonat pro Tag oder Placebo erhielten. Dokumentiert wurden alle Klinikeinweisungen und Todesfälle während der 5-jährigen Studiendauer und der 4,5-jährigen Nachbeobachtung.
Die Ergebnisse zeigten in der Interventionsgruppe mit Calciumsupplementation kein erhöhtes Risiko für Tod oder Klinikeinweisung aufgrund arteriosklerotischer Komplikationen, weder während der Studie noch während der Nachbeobachtung (adjustierte Hazard Ratio = 0,938) oder über die
9,5 Jahre Gesamtdauer der Beobachtung (adjustierte HR = 0,919). Weitere Auswertungen legten nahe, dass die Calciumsupplementation das Risiko für eine Klinikeinweisung und/oder Tod bei Patientinnen mit vorbestehender arteriosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung sogar vermindern könnte.
Nach Ansicht der Autoren bieten diese Daten also deutliche Hinweise, dass die Supplementation mit 1200 mg Calcium pro Tag bei älteren Frauen sicher ist und das Risiko für arteriosklerotische Gefäßerkrankungen nicht erhöht.

 

 

van der Pols JC, Gunnell D, Williams GM, Holly JM, Bain C, Martin RM.
Childhood dairy and calcium intake and cardiovascular mortality in adulthood: 65-year follow-up of the Boyd Orr cohort.
Heart. 2009 Oct;95(19):1600-6. Epub 2009 Jul 29.

 

Diese Studie berichtet über wirklich lange Langzeitbeobachtungen: Über 65 Jahre wurde nachverfolgt, ob der Verzehr von Milchprodukten und damit Calcium in der Kindheit Langzeitauswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit hat.
1937 bis 1939 hatten 4999 Kinder in England und Schottland an einer Studie zu den Ernährungsgewohnheiten in der Familie, beurteilt anhand von Fragebögen, teilgenommen, die Boyd-Orr-Kohorte. Die Todesursachen wurden von 1948 bis 2005 bei den 4374 Teilnehmern der Kohorte überprüft, für die komplette Daten vorlagen.
Es fand sich im Endeffekt kein klarer Beweis, dass eine Ernährung mit reichlicher Zufuhr von Milchprodukten in der Kindheit mit einer veränderten Sterblichkeit an koronarer Herzkrankheit einherging. Jedoch war der Verzehr von Milchprodukten in der Kindheit sehr wohl umgekehrt assoziiert mit der Sterblichkeit an Schlaganfall (adjustierte Hazard Ratio für die Gruppe mit der höchsten Zufuhr versus die Gruppe mit der geringsten: 0.41; p für den Trend = 0,04). Die Sterblichkeit insgesamt war am geringsten in der Gruppe mit dem höchsten Verzehr von Milchprodukten und Calcium (HR jeweils = 0,77; p für den Trend = 0,04 bzw. 0,05).
Erwachsene, die in ihrer Kindheit reichlich Calcium bzw. Milchprodukte zu sich genommen haben, weisen demnach eine geringere Sterblichkeit auf, so die Schlussfolgerung der Autoren. Hinweise auf ein erhöhtes Auftreten von Myokardinfarkten fanden sich nicht.

 

van Mierlo LA, Arends LR, Streppel MT, Zeegers MP, Kok FJ, Grobbee DE, Geleijnse JM.
Blood pressure response to calcium supplementation: a meta-analysis of randomized controlled trials.
J Hum Hypertens. 2006 Aug;20(8):571-80. Epub 2006 May 4.

 

Diese Autoren befassen sich mit einem der Hauptrisikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen, dem Bluthochdruck, und untersuchen Zusammenhänge zwischen Calciumzufuhr und Entwicklung einer Hypertonie. Dazu haben sie insgesamt 40 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 2492 Probanden zum Zusammenhang von Blutdruckwerten und Calciumzufuhr bei Nicht-Schwangeren von 1966 bis 2003 zusammengetragen. Danach verminderte eine Calciumsupplementation mit einer mittleren Tagesdosis von 1200 mg den systolischen Blutdruck im Mittel um 1,86 mm Hg und den diastolischen Druck um 0,99 mm Hg. Bei Personen mit einer relativ niedrigen Calciumzufuhr über die Ernährung (800 mg pro Tag oder weniger) wurden dabei stärkere Blutdrucksenkungen gefunden: um 2,63 mm Hg für den systolischen Druck und um 1,30 für den diastolischen Druck. Diese Arbeit legt daher nahe, so die Autoren, eine ausreichende Calciumzufuhr mit der Ernährung zu empfehlen, um Bluthochdruck zu vermeiden.


Marque S, Jacqmin-Gadda H, Dartigues JF, Commenges D.
Cardiovascular mortality and calcium and magnesium in drinking water: an ecological study in elderly people.
Eur J Epidemiol. 2003;18(4):305-9.

 

Diese Arbeit untersuchte ebenfalls die Zusammenhänge zwischen Wasserhärte und kardiovaskulärer Sterblichkeit, dieses Mal allerdings exakt aufgeschlüsselt nach den verantwortlichen Mineralstoffen und beschränkt auf die Subgruppe älterer Menschen (Lebensalter über 65 Jahre). In 69 Gemeinden in Südwestfrankreich wurden  über 7 Jahre (1990 bis 1996) 14.311 Todesfälle in dieser Altersgruppe untersucht.
Bei den Ergebnissen fand sich eine signifikante Beziehung zwischen Calciumgehalt des Trinkwassers und kardiovaskulärer Sterblichkeit, mit einem relativen Risiko (RR) von 0,90 für nicht-zerebrovaskuläre Todesursachen und einem RR von 0,86 für zerebrovaskuläre Ursachen. Ähnliche, sogar stärkere Auswirkungen fanden sich für die Magnesiumkonzentrationen (RR 0,92 für nicht-zerebrovaskulären Tod, 0,77 für zerebrovaskulären Tod).
Diese Befunde stützen nach Ansicht der Autoren eine protektive Wirkung des Calciums im Trinkwasser - die bei älteren Menschen möglicherweise eher zum Tragen kommt, weil in dieser Altersgruppe weniger Milch und Milchprodukte verzehrt werden.

 

Iso H, Stampfer MJ, Manson JE, Rexrode K, Hennekens CH, Colditz GA, Speizer FE, Willett WC.
Prospective study of calcium, potassium, and magnesium intake and risk of stroke in women.
Stroke. 1999 Sep;30(9):1772-9.

 

Hier wird speziell der Zusammenhang zwischen Zufuhr von Calcium - sowie von Kalium und Magnesium -und Schlaganfallrisiko betrachtet. Dazu werden die Daten von 85.764 Frauen der Nurses' Health Study im Alter von 34 bis 59 Jahren ausgewertet, die 1980 Fragebögen zu ihren Essgewohnheiten ausgefüllt hatten. Bis 1994, nach einer Nachbeobachtungszeit von 1,16 Millionen Personen-Jahren, wurden insgesamt 690 Schlaganfälle diagnostiziert (129 Subarachnoidalblutungen, 74 intraparenchymale Blutungen, 386 ischämische Schlaganfälle und 101 Schlaganfälle unklaren Typs).
Die Zufuhr von Calcium sowie von Kalium und Magnesium war jeweils umgekehrt korreliert mit dem relativen Risiko (adjustiert nach Alter und Rauchgewohnheiten), einen ischämischen Schlaganfall zu erleiden, mit Ausnahme embolischer Infarkte nicht-atherogener Ursache (n = 347). Der Zusammenhang blieb auch nach Adjustierung für weitere Risikofaktoren wie Bluthochdruck für Calcium erhalten: Frauen im obersten Quintil der Calciumzufuhr wiesen ein adjustiertes relatives Risiko für einen ischämischen Schlaganfall von 0,69 auf im Vergleich zu denen im Quintil mit der niedrigsten Zufuhr (p für den Trend = 0,03). Dabei schien es ab einer Calciumzufuhr von etwa 600 mg pro Tag keine weitere Risikoreduktion zu geben. Diese Assoziation war für Calcium aus Milchprodukten stärker als für das Calcium aus anderen Quellen.
Eine niedrige Calciumzufuhr kann also nach Ansicht der Verfasser zu einem erhöhten Risiko für einen ischämischen Schlaganfall bei Frauen im mittleren Lebensalter beitragen. Es sei allerdings auch nicht auszuschließen, so die Autoren, dass die Frauen mit niedriger Calciumzufuhr weitere, unbekannte Merkmale aufweisen, die sie für einen ischämischen Schlaganfall besonders anfällig machen.


Bucher HC, Guyatt GH, Cook RJ, Hatala R, Cook DJ, Lang JD, Hunt D.
Effect of calcium supplementation on pregnancy-induced hypertension and preeclampsia: a meta-analysis of randomized controlled trials.
JAMA. 1996 Apr 10;275(14):1113-7. Erratum in: JAMA 1996 Nov 6;276(17):1388.

 

Die Autoren überprüften die Wirkung einer Calciumsupplementation während der Schwangerschaft auf Blutdruck und Präeklampsie für den Zeitraum von 1966 bis Mai 1994 anhand von 14 randomisierten Studien mit 2459 Frauen. Die gepoolten Daten zeigten eine Verminderung des systolischen Blutdrucks um 5,40 mm Hg (p < 0,001) und des diastolischen Blutdrucks um 3,44 mm Hg (p < 0,001). Die Odds Ratio für eine Präeklampsie betrug bei Frauen mit Calciumsupplementation im Vergleich zu Placebo 0,38. Die Autoren folgern, dass eine Calciumsupplementation während der Schwangerschaft zu einer positiven Blutdrucksenkung und damit einhergehend zu einem verminderten Präeklampsie-Risiko führt.