Aus Forschung
& Wissenschaft

Fluorid

 

Knochen

 

Gelegentlich wurde die Befürchtung geäußert, dass im Rahmen der allgemeinen öffentlichen Trinkwasserfluoridierung Schäden am Skelettsystem mit erhöhter Knochenbrüchigkeit auftreten könnten. Dies wurde in einer Reihe von Untersuchungen überprüft und konnte nicht bestätigt werden: Bei den für eine Trinkwasserfluoridierung üblichen Konzentrationen von 1,0 bis 1,3 ppm zeigte sich in systematischen Studien keine entsprechende Risikoerhöhung.

 

Demos LL, Kazda H, Cicuttini FM, Sinclair MI, Fairley CK.
Water fluoridation, osteoporosis, fractures--recent developments.
Aust Dent J. 2001 Jun;46(2):80-7; quiz 143.

 

Diese Arbeit überprüft, inwieweit eine Trinkwasserfluoridierung negative Wirkungen auf das Skelettsystem ausübt. Dazu wurden 33 Studien (ab 1991) beurteilt, in denen unerwünschte Wirkungen der Fluoridierung untersucht wurden. Im Tierversuch fanden sich negative Auswirkungen nur bei Fluoriddosierungen deutlich über den für die Trinkwasserfluoridierung verwendeten. Bei den Längsschnittstudien zeigte sich eine eine Zunahme des Frakturrisikos über die Zeit bei Fluoridkonzentrationen, die viermal höher lagen als bei einer optimalen Wasserfluoridierung. Die zweite Studie fand nach 20-jähriger Fluoridierung mit optimalen Konzentrationen (1 ppm) keine negativen Auswirkungen auf die Knochen. Querschnittstudien zeigten eine Zunahme der Knochendichte bei optimaler Trinkwasserfluoridierung. Klinische Studien zur Fluoridbehandlung ergaben eine Zunahme der Knochendichte an verschiedenen Messorten  unter 9-22,6 mg Fluorid pro Tag über 1 bis 4 Jahre.
Insgesamt zeigt sich also, dass bei Fluoridkonzentrationen von 1 mg/l, wie sie für die Trinkwasserfluoridierung verwendet werden, keine negativen Auswirkungen auf Knochendichte und Frakturhäufigkeit zu befürchten sind.


Phipps KR, Orwoll ES, Mason JD, Cauley JA.
Community water fluoridation, bone mineral density, and fractures: prospective study of effects in older women.
BMJ. 2000 Oct 7;321(7265):860-4.

 

Diese multizentrische prospektive Studie sollte bestimmen, ob eine Trinkwasserfluoridierung Knochendichte und Frakturraten bei älteren Frauen beeinflusst. Teilnehmerinnen waren 9704 ambulante Patientinnen zwischen 1986 bis 1988; bei 7129 waren Informationen zur Exposition gegenüber Fluorid verfügbar. Outcome-Parameter waren Knochendichte der Lendenwirbelsäule, des proximalen Femurs, des Radius und des Calcaneus sowie während der Nachbeobachtung auftretende Frakturen von Wirbelkörpern, Hüfte und Humerus.
Die Ergebnisse wurden verglichen für Frauen mit anhaltender Exposition gegenüber fluoridiertem Trinkwasser in den vergangenen 20 Jahren (n = 3218) und Frauen ohne eine entsprechende Exposition (n = 2563). Bei Frauen mit anhaltender Exposition lag die mittlere Knochendichte um 2,6 % höher am Oberschenkelhals (p < 0,001), um 2,5 % höher im Bereich der Lendenwirbelsäule (p < 0,001) und um 1,9 % niedriger im Bereich des distalen Radius (p = 0,002). Das adjustierte Risiko für eine Hüftfraktur war bei Frauen mit fortgesetzter Exposition leicht vermindert (RR 0,69; p = 0,028), ebenso für eine Wirbelkörperfraktur (RR 0,73; p = 0,033). Es fanden sich ein nicht-signifikanter Trend hin zu einem erhöhten Risiko für Handgelenksfrakturen (1,32; p = 0,051) und keine Unterschiede in Bezug auf Humerusfrakturen (0,85; p = 0,378).
Insgesamt, so die Autoren, besteht auch bei langjähriger Zufuhr von fluoridiertem Trinkwasser kein erhöhtes Risiko für Knochenfrakturen.